Indigene Schauspieler Sara Kay und Schülerinnen auf der Bühne des Wiener Burgtheaters
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Let’s go viral!

Vieles ist ungeheuer, aber nichts ist ungeheurer als der Mensch

Eines der Hauptthemen der jungen RedakteurInnen von „Let’s go viral!“ ist der digital vernetzte Umweltschutz. Lia, Ana, Mirjam, Zara, Julia, Ela, Anastasija, Sinee, Catrin und Marie aus Wien, Salzburg und Kärnten haben sich entschlossen, für eine junge Frau aus Amazonas ihre Stimme zu erheben.

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Ana Grilc

Wegen Corona konnte die Brasilianerin Kay Sara nicht nach Wien kommen. Sie wollte im Burgtheater im Stück Antigone, regiert von Milo Rau, von ihrem Volk, der Abholzung des Urwaldes und vom Untergang der Menschheit erzählen. Für diesen Akt der Solidarität lies Direktor Martin Kušej die Tore des damals Corona-bedingt geschlossenen Burgtheaters in Wien öffnen. Die Rede von Kay Sara wurde aus dem Portugiesischen übersetzt und den Auftritt vor der Kamera auf der Bühne des Burgtheaters machte Lia mit dem Satz: „Liebe Kay Sara, unsere Gedanken sind bei deinem Volk!“

Solidarität mit Kay Sara

Unsere SchülerInnen mit Migrationsbiografie sind die besten AuslandskorrespondentInnen. Sie haben über ihre Familien direkt Kontakt zu allen Ländern dieser Welt. Die Salzburger SchülerInnen haben sich mit der Rede von Kay Sara auseinandergesetzt. In Rahmen der Recherche hatte die Austro-Brasilianerin Angelina Gregorić aus der 3d ein Ass im Ärmel. In einem Skype-Interview mit ihrer Cousine Thereza Cristina de Almeida, einer Schülerin in Recife in Brasilien, bekam Angelina für „Let’s go viral!“ Informationen über die Umwelt- und Menschenrechtssituation aus erster Hand. Wir haben das Interview aus dem Portugiesischen übersetzt.

Die grüne Lunge der Erde vor dem Kollaps! Satellitendaten der brasilianischen Raumfahrtagentur zeigen im Amazonas im Juli um 28 Prozent mehr Waldbrände als im Vorjahr.

Hallo Thereza, heute machen wir ein Interview für unsere Zeitung „Let’s go viral!“. Was hältst du von eurem Präsidenten Bolsonaro?

Thereza: Er ist kein gutes Vorbild für uns Brasilianer. So wie er sich verhält, bringt er das Land immer mehr in Bedrängnis.

Ich habe recherchiert, dass die indigenen Völker sich durch ihn bedroht fühlen. Wie siehst du das?

Thereza: Er übernimmt keine Verantwortung für den Amazonas und auch nicht für die Folgen des Corona-Virus. Er sagt immer, das sei nur eine kleine Grippe, und dass man sich keine Sorgen machen solle. Es sterben Tag für Tag mehr Menschen und trotzdem ist es ihm egal, ob die Menschen Abstand halten und ob sie zu Hause bleiben. Er ging sogar auf die Straße und hat die Bevölkerung motiviert, dass sie auch aus gehen. Ehrlich gesagt, ist er nicht besonders intelligent.

Wie ist die Situation den Corona-Virus betreffend in Brasilien?

Thereza: Es gibt mehr und mehr Tote. Kritische Medien berichten, dass Präsident Bolsonaro die Zahlen zurückhält, damit keine Panik ausbricht. Viele Leute haben Angst und gehen nicht aus dem Haus, während andern alle egal ist. Es ist kompliziert.

Was ist derzeit das größte Problem?

Thereza: Hier bei uns ist es schrecklich, wenn man sieht, dass es eine Klassenmedizin gibt. Wenn sich Leute mit Geld anstecken, werden sie im Krankenhaus versorgt. Wird ein Armer krank, kann das sein Todesurteil sein, weil viele dann nicht ins Krankenhaus gehen können.

Was bedeutet die Corona-Krise für die Indigenen im Amazonas?

Thereza: Es scheint, als wolle die Politik die Indigenen mit allen Mitteln aus dem Amazonas vertreiben. Ich habe da großes Mitgefühl, weil ich mir vorstellen kann, wie es sein muss, wenn man vertrieben wird. Wird der Urwald vernichtet, ist nicht nur schrecklich für die Indigenen, ein intakter Amazonas ist wichtig für uns alle.

Die Indigenen sind die Urbevölkerung Brasiliens und sie haben eine leidvolle Geschichte. Warum ist das so?

Thereza: Als die Portugiesen nach Brasilien kamen, stahlen sie den Indigenen ihre Heimat. Und jetzt passiert das schon wieder. Es bräuchte jetzt einen Politiker, der Verantwortung für die Bevölkerung übernimmt. Er sollte dafür sorgen, dass es den Indigenen gut geht und dass sie gesund durch die Krise kommen, aber der Präsident polarisiert und so wird Hass geschürt Vielen Brasilianern ist gar nicht bewusst, was da vor sich geht. Wir haben alle große Probleme.