BILDUNG

Saint Germain und Minderheitenschutz

Vor 100 Jahren wurden in Pariser Vororten die Friedensverträge zwischen den Siegermächten des Ersten Weltkrieges und den unterlegenen Mittelmächten geschlossen. Österreich betraf der Vertrag von Saint Germain. Eine Veranstaltung der Hermagoras/ Mohorjeva analysiert die dadurch entstandenen Veränderungen.

Podiumsdiskussion zum Auftakt

Einen Blick in die Zukunft will man gemeinsam mit Politikern und Wissenschaftlern in Bezug auf Minderheitenschutz sowie Mehrheiten-Minderheiten-Situationen in Europa werfen. Am Donnerstagvormittag nahmen dazu Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ), der slowenische Minister Peter Česnik und Alenka Smerkolj, die Generalsekretärin der Alpenkonvention, an einer Podiumsdiskussion im Veranstaltungssaal der Hermagoras/ Mohorjeva in Klagenfurt/ Celovec teil.

LH Kaiser hob laut Landespressedienst hervor, dass Frieden und Demokratie nicht selbstverständlich seien: „Sie müssen täglich neu belebt und erkämpft werden.“ Vor allem auch in diesem Zusammenhang erwähnte er die Bedeutung der EU, die weiter zu stärken sei. Untrennbar seien Themen wie Migration, Kriege, Frieden und Klimaschutz miteinander verbunden. „Um Zukunftsentscheidungen treffen zu können, ist es wichtig, das zu verstehen“, betonte der Landeshauptmann laut LPD und ergänzte: „Unsere aktuellen Probleme orientieren sich nicht an Ethnien oder Staaten, sie sind eine Herausforderung für die gesamte Menschheit und es ist ihnen auch genauso zu begegnen.“

Kaiser ging weiters auf die enge grenzüberschreitende Zusammenarbeit Kärntens mit seinen Nachbarn ein sowie auf sein Engagement im Ausschuss der Regionen. Er erwähnte die klare Benennung der slowenischen Volksgruppe in der Landesverfassung und die viersprachige Präambel des Regierungsprogramms. Kärnten sei zudem vorbildlich bei der Einbeziehung der Jugend, meinte er mit Verweis auf das Schülerparlament, mit dessen Beschlüssen sich der Landtag zwingend auseinandersetzen muss.

Ebenso thematisiert wurden die Veranstaltugnen zum bevorstehenden 10. Oktober sowie das Programm des nächstjährigen 100-Jahr-Jubiläums der Volksabstimmung.

Auch der Minister für die slowenischen Volksgruppen außerhalb Sloweniens, Peter J. Česnik, betonte, dass Frieden nichts Selbstverständliches sei und hob die Bedeutung von Mehrsprachigkeit, Multikulturalität und Wissen hervor. „Seid kritisch“, appellierte er an die zahlreich anwesende Jugend und gab ihr den Tipp, politische Entscheidungsträger „schriftlich mit Vorschlägen, Forderungen und Kritik zu konfrontieren“. Partnerschaften in Bildung, Sport, Kultur sieht der Minister als beste Möglichkeit, noch immer vorhandene „Mauern in den Köpfen“ zu durchbrechen.

Alenka Smerkolj, die seit Juli 2019 als erste Frau der Alpenkonvention vorsteht, berichtete über die vor 28 Jahren von acht Staaten begründete Organisation zur nachhaltigen Entwicklung und zum Schutz der Alpen. Auch für die Generalsekretärin ist es wichtig, die Jugend in wesentliche Dialoge miteinzubeziehen: „Dann müssen wir uns keine Sorgen um die Zukunft machen.“ Die Menschen, Multikulturalität und sprachliche Diversität sieht sie als „Hebel der Entwicklungen“.

Konferenca v Mohorjevi
ORF/Kelih

Moderiert wurde der erste Tag des Symposiums von Jürgen Pirker von der Universität in Graz/ Gradec und Günther Rautz von der Europäischen Akademie Bozen. Nach der Eröffnung durch den Direktor der Hermagoras/ Mohorjeva, Karl Hren, sprachen Sloweniens Botschafterin in Wien, Ksenija Škrilec, Österreichs Botschafterin in Ljubljana, Sigrid Berka, der Historiker Helmut Konrad und die Südtiroler Landesrätin Martha Stocker.

Freitag Konferenz, Samstag Wanderung

Im Rahmen der dreitägigen Veranstaltung „100 Jahre Staatsvertrag von St. Germain – 100 Jahre Minderheitenschutz der Republik Österreich“ stehen am Freitag, eine Konferenz (14.00 Uhr), ein Runder Tisch (19.00 Uhr) und eine Buchpräsentation am Programm. Am Samstag ist für 9.00 bis 13.00 Uhr eine grenzüberschreitende Wanderung von der Luschaalm/ Luže bis zur Kirche Sv. Ana geplant.