Gedenkstein und Tafel in Lackenbach
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Roma Sam | Gedenken

Gedenken an deportierte und ermordete Roma und Sinti in Lackenbach

Am 12. November fand in Lackenbach die Gedenkfeier für tausende Roma und Sinti statt, die während des 2. Weltkrieges ins sogenannte „Zigeuner-Anhaltelager“ Lackenbach deportiert und ermordet wurden. Vertreter von Bund, Land und den Roma-Organisationen nahmen an der jährlichen Gedenkveranstaltung teil.

Nationalratspräsident Sobotka
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Nationalratspräsident | Wolfgang Sobotka

Aufgrund der Initiative der burgenländischen Landesregierung und der österreichischen Lagergemeinschaft Ausschwitz, wurde am 6. Oktober 1984, das Mahnmal für die deportierten und ermordeten Roma und Sinti vom damaligen Bundespräsidenten, Rudolf Kirschläger, enthüllt. Der bereits verstorbene Roma-Aktivist Rudolf Sarközi, machte mit seinem unermüdlichen Einsatz die Gedenkinitiative in Lackenbach zu einem fixen Bestandteil der österreichischen Gedenkkultur. Als Hauptredner nahm Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka an der diesjährigen Veranstaltung teil. Er sieht Bildung als essenzielles Mittel gegen Antiziganismus.

Dunst: „Modell des Miteinanders“

Radio „Roma sam“ | 21. November 2022 | 20:50 Uhr

Präsentiert von Susanne Horvath | Live Radio Burgenland

„Wir müssen uns der Geschichte stellen und uns damit auseinandersetzen – immer wieder aufs Neue“, betonte Burgenlands Landtagspräsidentin Verena Dunst (SPÖ) im Rahmen ihrer Rede. „Im Burgenland können wir heute ein Modell des Miteinanders, der Toleranz und Menschlichkeit bieten“, sagte Dunst weiter. „Das friedliche und partnerschaftliche Miteinander der Volksgruppen und Konfessionen ist heute fester Bestandteil der burgenländischen Identität. Dieses partnerschaftliche Miteinander kann uns mit Stolz erfüllen. Damit bieten wir ein Vorbild für andere Regionen“, so Dunst.

Christian Klippl
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Christian Klippl | Obmann des Kulturvereins österreichischer Roma

Im November 1940 wurde von den Nazis, auf einem stillgelegten Gutshof, das Lager Lackenbach errichtet. Es war damals das erste Lager im Burgenland. Ungefähr 4000 Roma und Sinti waren in der KZ ähnlichen Einrichtung aufgrund ihrer Ethnie inhaftiert. In späterer Folge wurden die Menschen in die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald, Litzmannstadt oder Mauthausen deportiert und vernichtet. Unter diesen Menschen befanden sich auch die Urgroßeltern des Obmanns des Kulturvereins österreichischer Roma, Christian Klippl, der in seiner Rede unter anderem die aktuelle, für viele Volksgruppenangehörige prekäre Situation in der EU, anspricht.

Emmerich Gärtner Horvath
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Emmerich Gärtner-Horvath | Vorsitzender des Volksgruppenbeirates der Roma

Der Vorsitzende des Volksgruppenbeirates der Roma, Emmerich Gärtner-Horvath, wünscht sich, dass die Geschichte der Volksgruppe nicht nur an Gedenktagen aufgearbeitet wird. Vor allem in den Schulen bedarf es an mehr Unterrichtsmaterialen, um den Kindern und Jugendlichen auf altersgerechte Art und Weise, die Geschichte der Roma und somit auch die Geschichte Österreichs, näher zu bringen, so Gärtner-Horvath. Gärnter-Horvath hat bei der Gedenkfeier auch die Grußbotschaft von Bundespräsident Alexander van der Bellen vorgelesen.

Alysea Nardai und Elisa Gärtner-Horvath
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Alysea Nardai & Elias Gärtner-Horvath | Jugendliche der Volksgruppe

Die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Oberpullendorf und die Roma-Jugend der Lernbetreuung des Vereins Roma-Service, nahmen ebenfalls bei der Gedenkveranstaltung teil und leisteten mit Plakaten, Choreografien und Reden, ihren Beitrag zum Gedenken an die Volksgruppenangehörigen. Die 14-jährige Alysea Nardai und der 17-jährige Elias Gärtner-Horvath, trugen gemeinsam eine Rede vor. Dabei sprachen sie auch das Leid der Roma und Sinti im Lager Lackenbach an und machten auch auf die aktuelle Kriegssituation in Europa aufmerksam.