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Anklage wegen versuchten Mordes nach einem „antiziganistischen“ Brandanschlag

Nach einem antiziganistischen Brandanschlag am 24. Mai 2019 auf eine Familie aus Frankreich, die sich in Erbach-Dellmensingen in der Nähe von Ulm aufhielt, wurde gestern bekannt, dass fünf Tatverdächtige wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht – Jugendkammer – Ulm angeklagt werden.

Die Angeschuldigten, allesamt deutsche Staatsbürger, fühlten sich laut der Staatsanwaltschaft Stuttgart durch den Aufenthalt von mehreren Roma-Familien auf einem Wiesengrundstück gestört und fassten gemeinsam den Tatplan, einen Brandanschlag zu verüben. Den Tod von Menschen nahmen sie dabei zumindest billigend in Kauf.

Gegen zwei der Angeschuldigten bestand bereits ein Haftbefehl. Laut der Schwäbischen Zeitung vom 13.09.2019 haben die Tatverdächtigen möglicherweise Verbindungen in die Ulmer Fußball-Fanszene. Der VDSR-BW geht davon aus, dass das Gericht einen möglichen politischen Hasshintergrund der Tat umfassend aufklärt und im Falle einer Verurteilung die rassistische Tatmotivation im Sinne von § 46 StGB berücksichtigt.

Der VDSR-BW vertritt die Interessen der Familie und wird auch in Zukunft die Opferfamilie mit aller Kraft unterstützen. Die betroffene Familie hat sich der Anklage als Nebenkläger angeschlossen. Der VDSR-BW gibt bekannt, dass die Familie von Rechtsanwalt Dr. Mehmet Daimagüler vertreten wird, der als Nebenklagevertreter in zahlreichen Prozessen, wie z.B. im „NSU-Verfahren“, Opfer politisch motivierter Gewalt vertreten hat.

Daniel Strauß, Vorsitzende des VDSR-BW

„Mir stellt sich die Frage, wie sich junge Menschen so radikalisieren konnten, dass sie bereit waren, für ihr Menschenbild eine für sie unbekannte junge Mutter mit ihrem Kind mit Feuer zu töten. Das erinnert an vergangene Zeiten“.

Informationen zur Tat

Am 24. Mai 2019 fuhr gegen 23:15 Uhr ein dunkler Kleinwagen an dem Wiesengelände vorbei, wo die Familie mit ihrem neun Monate alten Baby in einem Wohnwagen schlief. Die Insassen des Kleinwagens riefen etwas und warfen eine brennende Fackel in Richtung des Wohnwagens. Diese verfehlte ihr Ziel nur knapp.

Zur Tatzeit befanden sich ca. 30 weitere Personen auf dem Wiesengelände in Wohnwägen. Die fünf Angeschuldigten sind zwischen 18 und 20 Jahre alt. Vier von ihnen befinden sich seit Juli in Untersuchungshaft. Bei einem zur Tatzeit noch minderjährigen Angeschuldigten wurde der Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt.