Gedenktafel erinnert an Lovara und Sinti in Bruckhaufen

Der ehemalige Ringelseeplatz existiert nicht mehr, wie er damals war. Diverse öffentliche Bauten wurden hier entlang der Franklinstraße errichtet, Hallenbad, Vienna Business School Floridsdorf, Kindergarten. In der Franklinstraße 24 soll nun eine Tafel an das Leben der Lovara und Sinti und an die Deportation und Ermordung von den National-Sozialisten erinnern.

On demand | Roma sam | 18.6.2018

Gedenktafel Bruckhafen

Serdar Erdost

/Franklinstraße 24 | Floridsdorf/

Auf dem sogenannten Mühlschüttel, einem Gebiet nördlich der Oberen Alten Donau im 21. Bezirk, siedelten sich im 20. Jahrhundert Lovara-Roma, damals vor allem im Pferdehandel tätig, an. Die Umgebung des Ringelseeplatzes war noch bis vor rund 55 Jahren ein Sammelpunkt, an dem sich nicht nur ansässige Lovara und Sinti vom benachbarten Bruckhaufen, sondern auch Durchreisende, Schausteller und 1956 aus Ungarn geflüchtete Roma trafen. Genau hier soll die Gedenktafel enthüllt werden. Die Gruppe Amenza Ketane leitete mit Lovaramusik die Enthüllung ein.

Die Gedenktafel ist im sogenannten „WIENKL“-Design der Stadt Wien und der Bezirksvorsteher Georg Papai übernahm die Enthüllung.

Lovara in Floridsdorf

Archiv

Am 10. Februar 2016 wurde von den Grünen in der Bezirksvertretung Floridsdorf ein Antrag an die Kultur- und Benennungskommission eingebracht. Fast alle Parteien stimmten dem zu, die FPÖ lehnte ab, erklärte Peter Jordan, Grüner Bezirksrat.

Willi Silvester Horvath, Nachkomme von Lovara-Roma, Musiker, führte davor an ehemalige Wohnwagenplätze, Stallungen, Brunnen, Rampen und Gehöfte beim Bruckhaufen, Mühlschüttel, Floridusgasse oder beim Freiligrathpark. Er erläutert in der Sendung die Spuren der Wiener Lovara.

„Epistemologie der Ignoranz“

Heinrich Böll Stiftung

Isidora Randjelović

„Epistemologie der Ignoranz“

Die Gedenktafelenthüllung fand im Rahmen des Festivals „E Bistarde | Vergiss mein nicht“, das vom Romano Svato organisiert wurde, statt. Isidora Randjelovićs Festivalsvortrag „Epistemologie der Ignoranz“ setzte sich mit der Geschichte des Filmes Tiefland von Leni Riefenstahl.

Hamze Bytyci

Promo

Hamze Bytyci

„Gadjerassismus“

Das Originalmobiliar des legendären Hilton-Zimmers bietet Kulisse für die Interaktive Talk-Show über die Emanzipationsbewegung von Roma und Sinti. “Hilton 437” befasst sich vor allem mit „Gadjerassismus“. Hamze Bytytci, der mit DELAINE LE BAS das Stück inszenierte, wurde 1982 im Kosovo geboren, lebt und arbeitet derzeit in Berlin.

Servus Szia Zdravo Del Tuha
Einen langen Fernsehfilm über dieses hervorragendes Festival „E Bistarde | Vergiss mein nicht“ bringt die Sendung Servus Szia Zdavo Del Tuha am 12. August, um 13:05 Uhr, in ORF2, Burgenland Lokal.

1989 kommt die Familie nach Deutschland. Bereits als Achtjähriger macht Hamze Bytytci zu Weihnachten 1990 im Kirchenasyl in Tübingen seine ersten Gehversuche als Aktivist, als seine Familie gegen die eigene Abschiebung kämpfte. 2005 schließt er in Freiburg die Schauspielschule ab und ruft die Organisation Amaro Drom (Unser Weg) ins Leben.

„E BISTARDE | Vergiss mein nicht“