Volksschüler im Klassenzimmer
ORF.at/Carina Kainz
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Roma sam

Romani Unterricht für Lehrkräfte in der Slowakei überlaufen

"Es ist sogar so, dass jeder Kurs überfüllt ist. Ich denke tatsächlich, dass der Bedarf vorhanden ist und letztendlich auch das Angebot an Romani Sprachkursen momentan zu wenig ist“, so Milan Samko von der Universität Nitra.

On demand | Roma sam | 14.10.2019

Milan Samko ist Absolvent und heute auch Lehrender an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Gesundheit an der Universität Konstantin Philosoph in der Slowakischen Stadt Nitra. Dort, in der Abteilung des Romologieinstituts, leitet er unter anderem auch Kurse für Romani. Eine Sprache, die geschätzt mehr als 250.000 Bewohner/innen der Slowakei aktiv sprechen. Teil des Pflichtschulunterrichts ist diese Volksgruppensprache, ähnlich wie in Österreich, auch in unserem Nachbarland bisher nicht. Weder Roman als Muttersprache, noch als Zweitsprache können Schülerinnen und Schüler gegenwärtig im Unterricht genießen.

Milan Samko
Yvonne Erdost
Milan Samko

Trotz allem war das Interesse am „Europäischen Tag der Sprachen“ an der Technischen Universität in Bratislava jüngst groß, an Milan Samkos Unterricht für Roman teilzunehmen. Ein Lehrsaal voller Interessierter an dieser besonderen Sprache, die sich über Jahrhunderte mündlich überliefert wurde. Erst in den letzten Jahrzehnten wurde Romani sowohl in Österreich, als auch in der Slowakei verschriftlicht und erfüllt somit auch die Voraussetzung, als Unterlage für Lehrmaterial zu dienen.

„Es ist für mich eine Freude zu sehen, dass die jungen Menschen solches Interesse an Roman haben, sie wollten einiges wissen, wie man etwas in unserer Muttersprache formuliert, grundlegende Phrasen, also es war wirklich sehr bewegt“, freut sich der Studiogast der aktuellen Sendung Roma sam, Milan Samko.

Während des Studiums an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Gesundheit in Nitra erwerben künftige Sozialarbeiter Kenntnisse in der Sprache und Kultur der Roma. Diese Menschen sind es, die im Feld Soziale Arbeit mit Klienten aus der Roma Volksgruppe arbeiten wollen. Mit dieser Studienrichtung ist die Stadt Nitra einzigartig in der Slowakei.

"In unserem Studiengang befassen wir uns mit der Sprache und Kultur der Roma, sowie mit der Geschichte der Volksgruppe, mit ihrem sozialen Umfeld hier in der Slowakei. Wir forschen auch in dieser Hinsicht mit Hilfe der europäischen Union. Aus Fonds der EU beziehen wir auch Stipendien zur Förderung der Volksgruppenkulturen.

Während der letzten Jahre habe ich einige Romani Kurse an der Universität Nitra realisiert. Die Menschen, die in diesem Umfeld arbeiten wollen, besuchen diese Kurse mit großem Interesse. Ich biete aber auch Kurse an, die spezifisch auch an Lehrpersonen von Roma Kindern gerichtet ist. In dieser Hinsicht gibt es in der Slowakei nämlich einige Bildungsprogramme des Unterrichtsministeriums", erklärt der Lehrende.

Schülerin zeigt im Unterricht auf
APA/HARALD SCHNEIDER

Der Assimilationsdruck der Sprachen der Minderheiten trage im Zeitalter der Technologie stark dazu bei, dass die Sprache immer schwerer von Generation zu Generation weitergegeben wird, unterstreicht Milan Samko im Interview:

„Wir brauchen noch einige neue Beschlüsse, dass Roman auch in weiteren Institutionen außer in der unseren verankert wird. Und zwar so, wie es auch das Minderheitengesetz bei uns verlangt, nämlich, dass auch Roman als Unterrichtssprache an Pflichtschulen eingeführt wird und auch als anerkannte Amtssprache geführt wird. Gegenwärtig fehlt es aber an Personen, die dieser Sprache in diesen Positionen mächtig wären“.

Milan Samko
Yvonne Erdost
Milan Samko, Gast der aktuellen Sendung Roma sam | 14.10.2019 | 20:50 Uhr | Radio Burgenland

„Es zeigt sich, dass das Interesse der Menschen, die sich wirklich dafür interessieren, die Sprache der Roma zu lernen existent ist. Es ist sogar so, dass jeder Kurs überfüllt ist. Ich denke tatsächlich, dass der Bedarf vorhanden ist und letztendlich auch das Angebot momentan zu wenig ist“, so Samko.

Das gesprochene Romani innerhalb der Volksgruppe wird sehr aktiv verwendet, erzählt der Lehrer. Es gebe hier keine Probleme, die Sprache von Generation zu Generation weiterzugeben, das freut den Universitätslehrenden sehr. Natürlich kenne er auch zahlreiche junge Menschen aus der Volksgruppe, die ihre Muttersprache absichtlich nicht verwenden und meiden wollen. Sie wollen sich etablieren und nicht in der traditionellen historisch gewachsenen Domäne leben.

Trotz allem überwiege die Gruppe, die Romani noch hervorragend beherrsche. Um diesen Zustand zu wahren, sei es sehr wichtig, der Sprache auch in der Arbeitswelt mehr Bedeutung beizumessen. Das wäre eine Möglichkeit die Menschen auch wieder zu motivieren, diese Sprache sprechen zu wollen: „Es ist so, dass diejenigen, die die Macht haben zu entscheiden, den letzten Schritt für eine Etablierung der Sprache der Roma nicht und nicht wagen wollen. Den Schritt, den das Gesetz jedoch zum Schutz der Minderheitensprachen vorsieht“, bedauert Samko.

Das gesamte Interview von Yvonne Erdost mit Milan Samko von der Universität Nitra hören sie in der aktuellen Sendung Roma sam mit Susanne Horvath.