Stefan Horvath
VHS der Roma Burgenland
DANIEL FENZ
Roma sam

Landeskulturpreis an Literaten Stefan Horvath aus Oberwart

Mittwochabend sind im Liszt-Zentrum in Raiding die Kulturpreise des Landes Burgenland verliehen worden. Ausgezeichnet wurden insgesamt acht Personen, die sich durch besondere Leistungen verdient gemacht haben. Eine unter diesen Personen ist Stefan Horvath aus Oberwart.

Roma sam | 1.7.2019

Er bekam seine Auszeichnung von der Landtagspräsidentin Verena Dunst von der SPÖ. Dunst vertrat den Landeshauptmann und Kulturlandesrat Hans Peter Doskozil. Die Preise werden alle drei Jahre verliehen und sind je mit 3.600 Euro dotiert.

Verleihung des Kulturpreises 2019 | Burgenland
DANIEL FENZ

Stefan Horvath, der erster Roma-Literaturpreisträger des österreichischen Pen Club ist, wurde am 12. November 1949 in der alten Roma-Siedlung in Oberwart geboren. Damals war es noch Seltenheit, er absolvierte die Hauptschule und arbeitete später bei Baufirmen in Wien und schaffte es bis zum Betriebsrat und Polier. Beim Bombenattentat im Februar 1995 traf ihn der wohl schwerste Schicksalsschlag, einer seiner Söhne kam ums Leben. Es war der Beginn seines literarischen Schaffens.

Demnächst Chronologie seiner Stadt

2003 erschien der Erzählband von Stefan Horvath mit dem Titel „Ich war nicht in Ausschwitz“, der von der Leidensgeschichte der Generation seiner Eltern erzählt; 2007 das Buch „Katzenstreu“, in dem er dem Terror des 4. Februar 1995 aus verschiedenen Perspektiven begegnet; 2008 gestaltete er dazu mit dem Musiker und Komponisten Willi Spuller die Hörspiel-CD „Katzenstreu“, an der unter anderem der bekannte Schauspieler Karl Markovics als Sprecher mitwirkte; 2013 erschien das Buch „Atsinganos“, in dem er sich den Oberwarter Roma und ihren Siedlungen widmet.

Stefan Horvath
Peter Wagner

Er möchte sich demnächst mit einer Chronologie seiner Stadt befassen.

„Ich war immer ein stiller Mann"

Stefan Horvath trägt die Geschichte seiner Eltern, die mehrere Konzentrationslager überstanden, und hält jene Erzählungen fest, die ihm Roma, die die NS-Zeit überlebten, vor ihrem Tod anvertraut haben. „Solange die Toten mit mir reden, werde ich immer meine Stimme erheben“, betont Stefan Horvath. Seine Literatur wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet. 2016 bekam er den Theodor Kramer Preis für Schreiben im Widerstand und Exil.

„Ich war immer ein stiller Mann, wie mein Vater, der sechs Jahre in Konzentrationslagern leben musste. Zu Hause war das ein Tabu Thema“, erzählt Horvath über sein langes Schweigen, dessen Gebrochen werden ausgezeichnet wurde.

Zeitzeugenprogramm Stefan Horvath
Karin Duschkin

Horvath im Zeitzeugenprogramm

Horvath arbeitet auch im Zeitzeugenprogramm des österreichischen Unterrichtsministeriums mit und besucht Schulen in ganz Österreich, um von seiner persönlichen Geschichte und von der Geschichte der Roma in Österreich zu berichten.