Redakteur Adi Gussak vor Ortstafel
ORF
ORF
ROMA SAM | GESCHICHTE

Verschwundene Roma-Siedlungen Unterschützen

In unserer Sendereihe „Verschwundene Roma-Siedlungen des Burgenlandes“, beschäftigen wir uns diesmal mit der Ortschaft Unterschützen. Das Dorf der Großgemeinde Oberschützen beheimatete einst mehr als 150 Romnja und Roma. Redakteur Adi gussak machte sich auf Spurensuche, um zu schauen was aus diesen Menschen wurde.

1. Roma Siedlung in Unterschützen
ORF
Erste Roma-Siedlung in Unterschützen

Unterschützen liegt im Bezirk Oberwart und hat ungefähr 500 Einwohner. Die erste Roma-Siedlung entstand Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Gebäude standen als sogenannte „Superadifikate“ auf dem Grund der Gemeinde. Die Häuser selbst gehörten den Roma-Familien. Ihren Unterhalt verdienten die Roma in dieser Zeit meist als Tagelöhner bei adeligen Grundherren oder als Musiker. „Die Frauen arbeiteten in Gasthäusern oder halfen den Bauern bei der Feldarbeit“, so die Historikerin Ursula Mindler-Steiner.

Ursula Mindler-Steiner, Historikerin aus Unterschützen
ORF
Ursula Mindler-Steiner | Historikerin aus Oberschützen

Radio „Roma sam“ | 1. April 2024 | 20:50 Uhr

Präsentiert von Susanne Horvath | Live Radio Burgenland

Während des Ersten Weltkriegs dienten viele Unterschützener Roma in der Armee. Das ist auch am Kriegerdenkmal, das im Ortszentrum steht, ersichtlich. In der Zwischenkriegszeit stieg die Bevölkerung der Roma-Siedlung in diesem Ort sprunghaft an. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten 157 Romnja und Roma hier. Nach dem Anschluss ans Deutsche Reich 1938, endete ihr Leben wie es einmal war. Bald begannen die ersten Deportationen und Ermordungen. Eine führende Rolle in der Verfolgung der Romnja und Roma übernahm der zum Gauleiter ernannte Tobias Portschy aus Unterschützen, erzählt Historikerin Ursula Mindler-Steiner.

Rudolf Sarközi an der Klarinette mit seinen Cousins die sich später zur Hans Samer Band formierten
ORF
Rudolf Sarközi mit seinen Cousins, die später die Hans Samer Band gründeten

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen nur 10 Roma nach Unterschützen zurück. Die Gemeinde errichtete für sie, am Rande des Ortes, kleine Häuser. So entstand die zweite Roma-Siedlung. Dort wohnte einst auch der bereits verstorbene Aktivist Rudolf Sarközi mit seiner Mutter Paula. Er wurde im Lager Lackenbach geboren und war später maßgeblich an der Anerkennung der Roma als Volksgruppe beteiligt. Nach ihm wurde in Wien Döbling auch ein Gemeindebau benannt. Redakteur Adi Gussak hat sich dort mit der Romni Christine Gaal getroffen. Die Cousine von Rudolf Sarközi ist ebenfalls in der Roma-Siedlung in Unterschützen aufgewachsen und erzählt, wie das Leben in ihrer Kindheit war.

Christine Gaal und Redakteur Adi Gussak beim Interview
ORF
Redakteur Adi Gussak und Christine Gaal

Die verlassenen und desolaten Häuser der Roma-Siedlung in Unterschützen wurden vor mehr als 10 Jahren abgerissen. Ein Erinnerungszeichen, dass Romnja und Roma hier gelebt haben und in der NS-Zeit deportiert und ermordet wurden, gibt es nicht. Die Gemeinde sieht sich verpflichtet, ihre Geschichte aufzuarbeiten. Unter Einbezug der Bevölkerung und der Roma-Community soll in Zukunft eine Arbeitsgruppe entstehen. Eine Gedenkinitiative in Unterschützen soll folgen. „Ob eine Gedenktafel oder eine andere Form einer Gedenkinitiative errichtet wird, soll in diesem Prozess herausgearbeitet werden“, so Bürgermeister Hans Unger.

Bürgermeister der Gemeinde Oberschützen, Hans Unger
ORF
Bürgermeister Hans Unger

Heute leben nur noch vereinzelt Roma in Unterschützen. Sie wollen nicht an die Öffentlichkeit treten. Von den zwei Roma-Siedlungen, die es einst hier gab, ist leider heute nichts mehr zu sehen. So gehört auch Unterschützen zu den verschwundenen Roma-Siedlungen des Burgenlandes.