Kammeroper
Adolf Gussak
Adolf Gussak
Roma sam | Kultur

Kammeroper | „Rromano Kidipe“ – Zusammenkunft der Roma

Im Wiener Jazz Club Porgy & Bess fand Mitte Dezember die Uraufführung der Kammeroper „Rromano Kidipe“, auf Deutsch Zusammenkunft der Roma und „Papuszas Tränen“, statt. Aus Musiktheaterfragmenten erschuf der Komponist Adrian Gaspar das Werk, welches das Leid der Porajmos-Überlebenden Volksgruppenangehörigen Hugo Höllenreiner, Karl Stojka und Bronislawa Wajs widerspiegelt.

Die im Jahre 1910 in Polen geborene Romni namens Papusza, hielt sich mit ihren Angehörigen während des 2. Weltkrieges in den polnischen Wäldern nahe der weißrussischen Grenze versteckt. Von dieser Zeit erzählte Papusza in ihrem Gedicht „Ratwale jasva“ – blutige Tränen, von dem der Komponist Adrian Gaspar besonders angetan war, weil es ihre Leidensgeschichte während der NS-Zeit erzählt.

Darstellerinnen Papusza
Adolf Gussak

Emanzipation wurde ihr zum Verhängnis

Von den Kindern der Bauern lernte Papusza erst mit 12 Jahren Lesen und Schreiben. Die junge Romni durfte auch später keine Schule besuchen und so bekam sie von einer jüdischen Buchhändlerin Unterricht. Nach Kriegsende wurde sie vom Autoren Jerzy Ficowski literarisch stark unterstützt. Die Publikation ihrer Gedichte auf Polnisch erreichte die breite Leserschaft. Diese Zeit wurde ihr zum Verhängnis. Wegen ihrer emanzipatorischen, offenen Art hat sie der Romaälteste, das Clan-Oberhaupt, für unrein erklärt und als Verräterin bezeichnet. Danach landete sie in der Psychiatrie. Die herausragende Literatin Bronislawa Wajs in ihren jungen Jahren, wurde von der Sopranistin Zuzana Rasiova verkörpert. Die aus Kosice stammende Spezialistin für zeitgenössische Musik fand vor allem die frühe Emanzipation von Papusza bewundernswert.

Darsteller Hugo Höllenreiner
Adolf Gussak

Den Maler Karl Stojka und den deutschen Sinto Hugo Höllenreiner, lernte Adrian Gaspar als Jugendlicher persönlich kennen. Als Neunjähriger kam Höllenreiner ins KZ Ausschwitz. Dort führte der gefürchtete Kriegsverbrecher Josef Mengele, Menschenversuche an ihm und an seinem Bruder durch. Die Erzählungen des 1933 geborenen Hugo Höllenreiners gingen dem Musiker Gaspar sehr nahe und waren eine Grundlage zur Komposition des Stücks „Rromano Kidipe“.

Radio „Roma sam“ | 10. Jänner 2022 | 20:50 Uhr

Präsentiert von Susanne Horvath | Live Radio Burgenland

Der Regisseur des Musiktheaters, Bruno Berger Gorski, kennt Adrian Gaspar schon von früheren gemeinsamen Projekten. Seit einigen Jahren arbeitet er mit dem Komponisten an einer möglichen Realisierung ihrer ersten gemeinsamen Roma-Kammeroper. Berger Gorski inszenierte mehr als 100 Werke an den renommiertesten Opernhäusern der Welt und ist Obmann des Vereins „Musiktheater Wien e.V.“, der sich besonders für selten gespielte Stücke der zeitgenössischen Kunst einsetzt.

Adrian, Hugo und Gaspar Mutter
ORF
Adrian Gaspar, Hugo Höllenreiner und Iovanca Gaspar

Das Multitalent Adrian Gaspar

Der in Wien lebende Roma-Pianist Adrian Gaspar, ist in verschiedensten Genres der Musik beheimatet. Ob Jazz, traditionelle Romamusik oder Klassik, sein Repertoire ist nahezu unerschöpflich. Die Komposition der Kammeroper „Rromano Kidipe“ war für ihn trefflich und eine ganz überragende Herausforderung. Das Roma-Musiktheater soll die schreckliche Zeit des NS-Regimes aufzeigen und das Publikum auf eine besondere Weise auf das Leid der Roma und Sinti in dieser Zeit aufmerksam machen.