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ROMA SAM | Soziale Inklusion

„Frühe Hilfen“ für Roma Familien

Seit Anfang 2020 wird von der Gesundheit Österreich GmbH und den Wiener VHS und Forscher*innen mit Roma Zugehörigkeit ein Projekt umgesetzt, das sich mit Roma Familien als Rezipient*innen der „Frühen Hilfen“ beschäftigt. Ziel ist es, herauszufinden, ob Roma Familien von den „Frühen Hilfen“ gleichermaßen profitieren können.

„Frühe Hilfen“ unterstützen schwangere Frauen und Familien mit Kleinkindern bis zu zirka drei Jahren, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden. Das Angebot ist freiwillig und kostenlos und die Familien entscheiden selbst, ob und in welcher Form sie das Angebot nutzen wollen. Das Projekt richtet sich vor allem an Familien, die sich im alltäglichen Leben überfordert fühlen und sich, daraus resultierend, nicht wie gewünscht um die eigenen Kinder kümmern können, erklärt die Projektleiterin des Projekts „Soziale Inklusion von Roma durch Frühe Hilfen“, Marion Weigl von der Gesundheit Österreich GmbH im Gespräch.

Marion Weigl
Privat
Marion Weigl | Gesundheit Österreich GmbH

Die „Frühen Hilfen“ richten sich ebenfalls an Familien, die sich in prekären Lebenssituationen befinden. Auch Roma Familien können davon betroffen sein und Hilfe, sowie Unterstützung bei der Kindererziehung und Fragen rund um dieses Thema benötigen, erzählt Manuela Horvath, Leiterin der Roma Pastoral, die sich um die Projektumsetzung für Roma-Familien im Burgenland kümmert.

Radio „Roma sam“ | 15. November 2021 | 20:50 Uhr

Präsentiert von Susanne Horvath | Live Radio Burgenland

Im Vorfeld wurden Roma Familien befragt, ob sie das Angebot der „Frühen Hilfen“ annehmen würden. Das Forschungsprojekt wurde in Abstimmung mit dem Romano Centro, den Wiener Volkshochschulen und selbstständig arbeitende Rom*nja umgesetzt. Insgesamt wurden 53 Mütter, Väter und Großeltern aus der Roma Community, 32 Fachleute aus dem Gesundheits- und Sozialbereich sowie 37 Fachärzt*innen für Kinder- und Jugendheilkunde durch Interviews, Fokusgruppen und online Umfragen in Wien und Burgenland befragt. Manuela Horvath erklärt welche Ergebnisse bisher bei Roma Familien festgestellt werden konnten.

Manuela Horvath
ROMA VHS Oberwart
Manuela Horvath | Verantwortliche für die Projektumsetzung der „Frühen Hilfen“ für Roma Familien im Burgenland

Die konkrete Umsetzung der „Frühen Hilfen“ im Alltag besteht unter anderem darin, dass eine Familienbegleiterin mit den betroffenen Familien bespricht, was genau gebraucht wird. Sie hilft beispielsweise bei der Stellung von Anträgen und informiert über weitere Schritte oder Angebote, wie etwa psychologische Beratung – ganz individuell nach den Bedürfnissen der Betroffenen. Dabei obliegt es aber immer der Familie selbst, welche Schritte gesetzt und umgesetzt werden. Besonders wichtig ist es, dass ein gegenseitiges Vertrauen aufgebaut wird, schildert Projektleiterin Marion Weigl.

Aktuell gibt es die „Frühen Hilfen“ noch nicht in allen Bezirken Österreichs. Das Angebot soll in den nächsten Jahren noch ausgebaut werden. Im Jahr 2020 wurden insgesamt 6.000 Familien beraten, unklar ist hierbei, wie viele von diesen Familien Rom*nja waren. Die häufigsten Gründe für die Inanspruchnahme der „Frühen Hilfen“ waren: Überforderung, Ängste, medizinische oder soziale Belastungen, ein fehlendes soziales Netz oder Hilfe bei rechtlichen Beratungen, so Weigl.

Frühe Hilfen
NZFH/Ludolf Dahmen
Die Familienbegleiterinnen beraten Famlilien bei unterschiedlichsten Themen

„Es braucht eine Sensibiliesierung für das Thema“

Das Konzept der „Frühen Hilfen“ wäre auch sehr gut für Roma Familien geeignet, so Weigl. Eine Herausforderung besteht jedoch in der Bewusstseinsbildung innerhalb der Roma Community über das Thema „Frühe Hilfen“, denn viele wissen nicht über das Angebot bescheid oder nehmen dieses nicht wahr. Es braucht aber auch bei den Fachleuten eine Sensibilisierung für dieses Thema, denn gerade Roma Familien mit Migrationshintergrund sind stärkeren Belastungen ausgesetzt und können somit die Unterstützung der „Frühen Hilfen“ brauchen, erklärt die Projektleiterin.

Manuela Horvath sieht ebenfalls eine Hürde bei der Inanspruchnahme der „Frühen Hilfen“, dass viele nicht über das Angebot Bescheid wissen. Bei manchen Familien mit Migrationshintergrund gibt es auch Sprachbarrieren und/oder Misstrauen gegenüber Behörden aufgrund der schlechten Erfahrungen. Auch eine Angst vor Stigmatisierung aufgrund der Inanspruchnahme von Hilfeleistungen schreckt einige Rom*nja ab, die „Frühen Hilfen“ in Anspruch zu nehmen, meint Horvath.

Frühe Hilfen
© NZFH.at, Bruckmüller
„Frühe Hilfen“ findet man in allen burgenländischen Bezirken

Auf der Website der Gesundheit Österreich GmbH findet man weitere Informationen zum Projekt „Frühe Hilfen“ und wo diese angeboten werden. Betroffene Familien können jederzeit Kontakt aufnehmen und unverbindlich und anonym Auskunft zum Thema erhalten.