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Stimmen zum Internationalen Roma Tag: Emmerich Gärtner-Horvath

Der Internationale Roma Tag ist ein Tag an dem die Rom_nija selbst zu Wort kommen, sie können ihre Kultur zeigen, sie machen aber auch auf Probleme aufmerksam. „Es werden Themen aufgegriffen, welche den Rom_nija und den Funktionären am Herzen liegen.“, erklärt Emmerich Gärtner-Horvath Vorsitzender des Volksgruppenbeirates der Roma im Interview.

An diesem Tag setzt jeder Verein unterschiedliche Schwerpunkte. Im Verein Roma Service versucht man sich vor allem mit dem Thema Europa auseinander zu setzen. Im Osten Europas gibt es immer noch Probleme: Viele Rom_nija leben hier unter der Armutsgrenze und sind immer noch stark von Diskriminierung und Segregation betroffen, das sind Umstände, auf die man versucht, das ganze Jahr über aufmerksam zu machen, aber natürlich speziell am Internationalen Roma Tag, so Gärtner Horvath.

Emmerich Gärtner-Horvath
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Emmerich Gärtner-Horvath

Die wichtigste Errungenschaft für Gärtner-Horvath in den letzten 50 Jahren, seit dem ersten Roma Kongress am 8. April 1971 in London, war das Zusammenrücken der Mehrheitsgesellschaft und der Volksgruppe. Rom_nija und Sinti_zze werden heute anders wahrgenommen als früher. Es gibt zwar immer noch in gewissen Bereichen eine Diskriminierung, aber trotzdem habe sich schon viel getan, erklärt der Vorsitzende des Vereins Roma Service. Auch das Internet hat viel zu dieser Vernetzung beigetragen und schafft nicht nur eine Verbindung zwischen Rom_nija und Roma, sondern auch zwischen verschiedenen Rom_nija-Organisationen in ganz Europa.

Der erste Roma Kongress 1971 gilt, international gesehen, als Startschuss des Aktivismus in Europa. In Österreich nahm man diesen Tag zu Beginn nicht wirklich wahr, da man noch mit den Problemen im eigenen Land beschäftigt war. In Österreich war das Leben der Roma zu jener Zeit immer noch von Ausgrenzung und Diskriminierung geprägt – dagegen versuchte man damals anzukämpfen, schildert Emmerich Gärtner-Horvath im Interview.

Emmerich Gärtner-Horvath
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Verein Roma Service, Oberwart

Seit dem ersten Roma Kongress habe sich sehr viel verändert. Bei diesem wurde neben der Hymne „Djelem, djelem“, die Flagge, aber auch die Selbstbezeichnung „Roma“ festgelegt. Obwohl sich diese bisher nicht in allen Ebenen des Sprachgebrauchs gegen die Fremdbezeichnung „Zigeuner“ durchsetzen konnte, sieht der Funktionär doch ein gewisses empathisches Bewusstsein innerhalb der Mehrheitsgesellschaft. Dies zeichnete sich erst jüngst in der Empörung über die Talkshow „Die letzte Instanz“ und deren unreflektierten Umgang mit Alltagsrassismus ab und in der Umbenennung diverser Lebensmittelbezeichnungen, erklärt der Vorsitzende des Volksgruppenbeirates der Roma.

„Für uns ist es wichtig, dass jeder Mensch egal ob Mann oder Frau, gleichbehandelt wird!“

Im Burgenland kam laut Emmerich Gärtner-Horvath auch der Feminismus im Aktivismus nicht zu kurz. Frauen und Männer wurden immer gleichbehandelt. So folgte dem ersten Vorsitzenden des ersten Roma Vereins in Oberwart, Ludwig Papai, eine Frau, Susanne Baranyai. Emmerich Gärtner-Horvath selbst stehe für eine Gleichberechtigung von Frauen und Männer und setze sich auch dafür ein, „Für uns ist es wichtig, dass jeder Mensch egal ob Mann oder Frau, gleichbehandelt wird!“, betont er im Interview.

Der Aktivismus wird auch oft von der Jugend mitgetragen. Die jungen Rom_nija setzen heute andere Schwerpunkte als früher, das begrüßt Gärtner-Horvath. Der Aktivismus funktioniere am besten, wenn er eine gute Mischung aus Jung und Alt, Frauen und Männern sei.

„Gemeinsam können wir mehr erreichen…“

Martin Horvath, Gründer des Vereins Hango Roma und Bildungsberater der VHS Wien, sendete uns eine Grußbotschaft zum Internationalen Roma Tag 2021. Am 10. April hätte das „Fest der Vielfalt“, das in jedem Jahr vom Verein Hango Roma organisiert wird, im OHO stattfinden sollen. Die Veranstaltung wurde aufgrund der Corona-Maßnahmen auf September verschoben. In seiner Botschaft teilt er seine Gedanken zum Internationalen Roma Tag: Er setzt auf das Verbindende statt auf das Trennende, denn gemeinsam könne man mehr erreichen, so Horvath.

Martin Horvath
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Martin Horvath

Dieser Beitrag ist der erste einer Reihe zum Thema „Internationaler Roma Tag – 50 Jahre nach dem ersten Roma Kongress“, die uns durch den April begleiten wird. In den nächsten Wochen hören Sie noch weitere Stimmen zu diesem Thema auf Roma sam.