Regierungen sabotieren Rettung im Mittelmeer

Die Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen (MSF), Joanne Liu, hat den europäischen Regierungen eine Mitschuld für den Tod von Tausenden Menschen im Mittelmeer gegeben.

Sie sabotierten private Seenotretter vor der libyschen Küste und „verschwören“ sich damit gegen Such- und Rettungsaktionen, sagte gestern Liu auf der UN-Migrationskonferenz im marokkanischen Marrakesch.

Joanne Liu, Präsidentin von Médecins Sans Frontières / Ärzte ohne Grenzen International
APA/AFP/Fadel Senna
Joanne Liu, Präsidentin von Médecins Sans Frontières / Ärzte ohne Grenzen International

„Leben zu retten, ist kein Verbrechen“

Liu kritisierte auch das erzwungene Ende der Einsätze des Schiffes „Aquarius“, auf dem auch MSF an der Rettung Zehntausender Menschen seit 2016 beteiligt war. „Leben zu retten, ist kein Verbrechen“, sagte Liu. Die rechte italienische Regierungspartei Lega wirft den NGOs dagegen unter anderem vor, sie unterstützten mit ihren Einsätzen das Geschäft von Menschenschleppern.

Einsatz beendet wegen „gezielter politischer Angriffe“

Die Hilfsorganisation SOS Mediterranee beendete den Einsatz der „Aquarius“ wegen „gezielter politischer Angriffe“. Vor allem die italienische Regierung machte Rettungen zuletzt so gut wie unmöglich, weil sie die Häfen für private Seenotretter schloss. Dem Schiff wurde zweimal die Flagge entzogen. Zuletzt warfen italienische Behörden der NGO vor, illegal Müll in Italien entsorgt zu haben, und drohten mit der Beschlagnahmung des Schiffs.

2018 mehr als 2160 Menschen gestorben

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration sind 2018 bereits mehr als 2160 Migranten bei der Fahrt über das Mittelmeer ums Leben gekommen. Auf der laut UN tödlichsten Route zwischen dem Bürgerkriegsland Libyen und Italien ist die Überfahrt dieses Jahr noch gefährlicher geworden. Zwischen Jänner und Juli kam nach UN-Angaben jeder 18. Migrant ums Leben, im September war es bereits jeder achte. Das UNHCR erklärt die hohe Todesrate mit der geringen Präsenz von zivilen Rettungsschiffen vor Libyen.

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