vlnr.: Altbundespräsident Heinz Fischer, Psychoanalytikerin und Zeitzeugin Erika Padan Freeman und Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) anlässlich der Überreichung der Ehrenbürgerin-Urkunde der Stadt Wien an Erika Padan Freeman (12.2.2024)
GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com
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Auszeichnung

Erika Freeman Ehrenbürgerin der Stadt Wien

Die Psychoanalytikerin und Zeitzeugin Erika Freeman ist heute im Rathaus zur Ehrenbürgerin der Stadt Wien ernannt worden. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) überreichte die Urkunde im Beisein von Ehrengästen aus Politik und Verwaltung.

Unter den Ehrengästen war die zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures und Ex-Bundespräsident Heinz Fischer, der die Laudatio hielt, so die Rathauskorrespondenz. Danach wurde die um ihren Namen ergänzte Ehrentafel vor dem Stadtsenatssitzungssaal enthüllt.

Ludwig hob Erika Freemans persönliches und berufliches Wirken hervor, durch das „sie die in Wien verwurzelte Psychoanalyse in die Welt getragen“ habe. Als renommierte Psychoanalytikerin habe sie außerdem vielen Menschen geholfen, darunter Hollywoodstars. Trotz ihres schrecklichen Schicksals habe es Freeman geschafft, „wieder einen Zugang zu ihrer Heimatstadt zu finden und Frieden zu schließen". Es sei eine „herausragende und beeindruckende Leistung, die Traumata von Vertreibung und Exil zu verarbeiten, den Hass zu überwinden und wieder an das Gute im Menschen zu glauben“.

Psychoanalytikerin und Zeitzeugin Erika Padan Freeman erhält die Ehrenbürgerin-Urkunde der Stadt Wien (12.2.2024)
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Psychoanalytikerin und Zeitzeugin Erika Padan Freeman wurde Ehrenbürgerin der Stadt Wien

Auszeichnung als Wertschätzung für ihr Lebenswerk

Fischer referierte Freemans Werdegang inklusive „aller Schrecken, die sie als Kind erleben musste“: Ihrem Vater gelang 1938 die Flucht nach Prag, wo er im Ghetto Theresienstadt interniert wurde. Dass er von dort in die USA flüchten konnte, erfuhr Freeman erst viele Jahre später, als sie ihren totgeglaubten Vater durch Zufall in New York wieder traf. Ihre Mutter floh aus einem Konzentrationslager und lebte als „U-Boot“ in Wien, wurde aber wenige Tage vor Kriegsende bei einem Bombenangriff getötet. Trotzdem sei Freeman „nie verbittert oder an den Geschehnissen zerbrochen“, sondern hatte „die Qualifikation, Kraft und das Einfühlungsvermögen, zu einer Koryphäe der Psychoanalyse aufzusteigen“. Die Auszeichnung sei eine Wertschätzung für ihr Lebenswerk.

1940 Flucht nach New York

Erika Freeman wurde laut Rathauskorrespondenz 1927 als Erika Polesiuk in Wien geboren und wohnte mit ihrer Familie in der Leopoldstadt. In den 1930er-Jahren erlebte sie den zunehmenden Antisemitismus und die nationalsozialistische Machtübernahme. Im Februar 1940 flüchtete sie im Alter von zwölf Jahren über Rotterdam mit dem Schiff nach New York, wo sie bei Verwandten unterkam. Sie studierte Psychologie und arbeitete als Sekretärin in der Außenstelle der Jewish Agency. 1954 heiratete sie den Grafiker, Bildhauer und Kalligrafen Paul K. Freeman. 1964 promovierte sie mit einer Arbeit über die Stellung der Familie im Kibbuz. Nach ihrer Scheidung im Jahr 1980 hebräisierte sie ihren Geburtsnamen zu „Padan“ und trat fortan auch als Erika Padan Freeman in Erscheinung.

Zeitzeugin gegen das Vergessen

Im Rahmen ihrer Tätigkeit beriet sie viele Politikerinnen und Politiker, darunter die ehemalige israelische Ministerpräsidentin Golda Meir, und Hollywoodstars wie Marilyn Monroe, Marlon Brando und Woody Allen. Freeman setzt sich seit 2007 im Rahmen des Projekts „A Letter To The Stars“ als Zeitzeugin gegen das Vergessen ein. 2017 erhielt sie das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst. 2022 nahm Freeman wieder die österreichische Staatsbürgerschaft an und ist heute US-amerikanisch-österreichische Doppelstaatsbürgerin.