Illustration zu: Asyl, Asylpolitik, Asylantrag
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Flucht

Immer mehr Asylsuchende aus der Türkei

Die Zahl der Menschen aus der Türkei, die in EU-Staaten um Asyl ansuchen, steigt zunehmend. In Österreich wurden heuer knapp 7.500 Asylanträge von türkischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern gestellt. Das liegt auch an dem Umgang der Regierung unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan mit Andersdenkenden, wie „Heimat Fremde Heimat“ und der „Report“ berichten.

Seit März dieses Jahres steigt in Österreich die Zahl der Asylsuchenden aus der Türkei stark an und seit September sind sie die zweitstärkste Gruppe unter den Schutzsuchenden. Dies sei Experten zufolge keine überraschende Entwicklung, denn ein Mix aus politischen und wirtschaftlichen Gründen würde die Menschen zur Flucht oder Migration aus der Türkei bringen.

Neben anhaltender Gewalt in kurdischen Gebieten, dem verheerenden Erdbeben vom Februar, hoher Inflation und Arbeitslosigkeit spiele vor allem die Wiederwahl Erdoğans und das Vorgehen seiner Regierung gegen Andersdenkende sowie Kritikerinnen und Kritiker eine wesentliche Rolle.

Sendungshinweis

„Report“ über Hintergründe der Flüchtlingsbewegung aus der Türkei. Dienstag, 5. Dezember 2023, 21.05 in ORF2.

Schlepper statt Visum

Da es für türkische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger immer schwieriger wird, ein Visum zu erhalten, versuchen mittlerweile viele mithilfe von Schleppern die Flucht anzutreten. Diesen Weg wählte auch eine kurdische Menschenrechtsaktivistin, die im Gespräch mit dem ORF politische Verfolgung in der Türkei beklagt. 47 Tage lang dauerte ihre Flucht gemeinsam mit ihrer Tochter von Istanbul nach Griechenland und über die Balkanroute nach Wien.

Vor allem viele junge Studierende würden im eigenen Land für sich keine Perspektive mehr sehen, sagt der Soziologe Kenan Güngör im Gespräch mit dem ORF. Auch Ekber Gercek von der Volkshilfe Oberösterreich sieht, dass die Asylsuchenden westlich orientiert und kritisch sind. Viele hätten sich auch im Bereich der Frauen- und Minderheitenrechte sowie in der Oppositionspolitik engagiert.

Chancen auf Asyl bisher gering

Die Zahl der Asylwerbenden aus der Türkei war im Oktober in Österreich siebenmal so hoch wie im Mai, als Erdoğan mit seiner rechtskonservativen AKP für eine Amtszeit von weiteren fünf Jahren wiedergewählt wurde. Insgesamt stellten bis Ende Oktober laut Asylstatistik des Innenministeriums 7.497 türkische Staatsangehörige in Österreich einen Asylantrag. Das sind über vierzig Prozent mehr als im gesamten Vorjahr.

Die Chance auf Anerkennung von Asyl war in Österreich bisher gering: Heuer wurden zwei Prozent der Asylanträge positiv entschieden, elf Prozent negativ und 87 Prozent der Anträge sind noch offen. Im Vergleich dazu liegt die Schutzquote etwa in Deutschland bei 15 Prozent – wobei diese im Jahr 2019 noch bei über 47 Prozent gelegen ist – und in der Schweiz bei über 40 Prozent.