Kinderschuhe und Stofftiere auf den Stufen als Mahnung an die vermissten Kinder der ehemaligen Mohawk Institute Residential School in Brantford, Kanada.  (9.11.2021)
COLE BURSTON / AFP / picturedesk.com
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Kanada

Einigung mit Indigenen auf finanzielle Entschädigung

Kanada hat sich mit 325 indigenen Völkern auf Entschädigungen in Milliardenhöhe geeinigt, wie das Ministerium für die Beziehungen zwischen Regierung und Indigenen am Samstag erklärte.

Kanada verpflichte sich, mit dem Betrag in Höhe von 2,8 Milliarden kanadischen Dollar (1,9 Mrd. Euro), den „kollektiven Schaden und den Verlust der Sprache, der Kultur und des Erbes zu reparieren“, den Indigene durch die jahrzehntelange Misshandlung in kanadischen Internaten erlitten hätten.

„Ein erster Schritt in die richtige Richtung“

Kanada habe „viel zu lange gebraucht, um sich zu seiner Geschichte zu bekennen, zu dem von ihm begangenen Völkermord zu stehen und den kollektiven Schaden anzuerkennen, der unseren Nationen durch das Internatssystem zugefügt wurde“, sagte Garry Feschuk, ehemaliger Anführer des Volks der Sechelt. Die nun erzielte Einigung sei aber „ein erster Schritt in die richtige Richtung“.

„Kultureller Völkermord“

Zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und den 1990er-Jahren hatte die kanadische Regierung etwa 150.000 indigene Kinder in Internate geschickt, die zum großen Teil von der katholischen Kirche betrieben wurden. Sie wurden von ihren Familien, ihrer Sprache und ihrer Kultur abgeschnitten. Viele von ihnen wurden körperlich und sexuell misshandelt. Offiziell kamen mehr als 4.000 Kinder infolge von Unterernährung, Krankheiten und Vernachlässigung ums Leben, nach Schätzungen dürften es mehr als 6.000 gewesen sein. Eine nationale Untersuchungskommission sprach im Jahr 2015 von einem „kulturellen Völkermord“.

1.300 anonyme Gräber indigener Kinder

Die Entdeckung von 1.300 anonymen Gräbern indigener Kinder in der Nähe ehemaliger Internate hatte im Jahr 2021 eine Schockwelle in Kanada ausgelöst. Viele indigene Völker machen die Heime, die ganze Generationen geprägt haben, für heutige soziale Probleme wie Alkoholismus, häusliche Gewalt und erhöhte Suizidraten unter den Indigenen verantwortlich.

„Gerechtigkeit und Entschädigung“ für Überlebende

Das Ministerium für die Beziehung zwischen Regierung und Indigenen erklärte, mit der nun beschlossenen Rekordentschädigung sollten „Bildung, Kultur und Sprache“ der 325 indigenen Völker in Westkanada wiederbelebt und der „Heilungsprozess“ der Überlebenden des Internatssystems unterstützt werden. „Alle Überlebenden verdienen Gerechtigkeit und Entschädigung“, erklärte Minister Marc Miller. Wie genau die nun vereinbarten 2,8 Milliarden kanadischen Dollar ausgegeben werden, soll das kanadische Bundesgericht am 27. Februar festlegen.