Sessel und Tische eines geschlossenen Gastgartens auf der Mariahilferstraße in Wien. Mit Ausnahme der Geschäfte für lebenswichtige Versorgung wurden Handel und Gastronomie aufgrund der Coronavirus-Pandemie in Österreich komplett geschlossen. (16.3.2020)
ROLAND SCHLAGER / APA / picturedesk.com
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Oberösterreich

Plan der Wirtschaftskammer gegen Fachkräftemangel

Die Wirtschaftskammer Oberösterreich hat einen Plan gegen den Fachkräftemangel entwickelt, mit dem vier von fünf offenen Stellen besetzt werden könnten.

Seine Zielgruppen sind unter anderem Ältere, Personen mit Migrationshintergrund, Frauen und Arbeitslose. Für sie sollten derzeit bestehende Hindernisse beseitigt und Anreize für eine Beschäftigung geschaffen werden, verlangte heute die Präsidentin Doris Hummer in einer Pressekonferenz in Linz.

Offene Stellen auf Rekordhöhe

Argumentationsgrundlage ist die aktuelle Arbeitsmarktsituation in Oberösterreich. Demnach dürfte die Zahl der Erwerbstätigen bald die Marke von 700.000 übersteigen, jene der offenen Stellen war aber Ende September mit über 31.000 – ein Plus von 40,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr – auf Rekordhöhe. Die Folge: Unternehmen würden dringend benötigte Fach- und Hilfskräfte immer schwerer finden und müssten deswegen Aufträge ablehnen oder – wie in der Gastronomie und Hotellerie – ihr Angebot für Kunden einschränken. „Verschenktes Wirtschaftswachstum kostet Wohlstand und soziale Sicherheit“, warnte Hummer.

Lohnnebenkosten für ältere Arbeitnehmer senken

Personalreserven beziehungsweise freie Kapazitäten in der Höhe von 24.200 Beschäftigten sieht die Präsidentin, wenn die Lohnnebenkosten für ältere Arbeitnehmer radikal gesenkt würden: Keine Beiträge zur Unfallversicherung, zur Arbeitslosenversicherung, beziehungsweise zum Familien-Lasten-Ausgleichsfond und zum Insolvenz-Entgeld-Sicherungsgesetz für Personen 55+. Das würde die Älteren für die Betriebe leistbarer machen und den Betroffenen mehr netto vom brutto bringen. Eine weitere Maßnahme wäre eine Pensionsautomatik und die raschere Anpassung des faktischen an das gesetzliche Pensionsantrittsalter. Auch das Arbeiten in der Pension sollte einfacher und attraktiver werden, unter anderem mit großzügigeren Zuverdienstmöglichkeiten und höheren Zuschlägen für längeres Arbeiten.

Beschäftigungspotenzial bei Personen mit Migrationshintergrund

Ein weiteres Beschäftigungspotenzial sieht die Interessenvertretung bei Personen mit Migrationshintergrund. Dazu sollte die Rot-Weiß-Rot-Card, mit der qualifizierte Menschen aus dem Ausland geholt werden können, praxisgerechter gestaltet werden. Auch ein Aufenthaltstitel für Asylwerber-Lehrlinge samt nahtlosem Umstieg auf die Card sollte dem Arbeitsmarkt Entspannung bringen. Die Saisonniers-Regelungen sollten so angepasst werden, dass wenigstens Stamm-Saisonniers künftig nicht mehr unter die Quote fallen.

Mehr Frauen und Arbeitslose erreichen

Eine höhere Frauenerwerbsquote könnte durch die bestmögliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf erreicht werden. Dazu brauche es einen weiteren Ausbau der Kinderbetreuung, besonders für die unter Dreijährigen. Im Bereich der Arbeitslosen schlägt die Wirtschaftskammer bekannte Maßnahmen vor, damit die Wiederaufnahme einer regulären Beschäftigung attraktiver sei, als in der Arbeitslosigkeit zu verbleiben: Degressive, einkommensabhängige Staffelung des Arbeitslosengeldes in Verbindung mit einer deutlichen Einschränkung derzeit erlaubter Nebenjobs und Überarbeitung der Zumutbarkeitsbestimmungen sowie landeseinheitliche Vermittlung von Arbeitssuchenden über Bezirks- und Bundesländergrenzen hinaus.