Psychotherapeutische Betreuungszentrum „Hemayat“ für Kriegs- und Folterüberlebende
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Betreuungszentrum

Über 1.100 traumatisierte Flüchtlinge im Vorjahr betreut

Das Wiener Betreuungszentrum „Hemayat“ hat sich im Vorjahr um 1.128 traumatisierte Flüchtlinge aus 46 Ländern gekümmert, darunter waren 118 Minderjährige. Insgesamt wurden mehr als 14.000 Betreuungsstunden geleistet, meist virtuell oder telefonisch.

Dies geht aus dem heute veröffentlichten Jahresbericht des Vereins hervor. Trotz des Pandemie-Jahres 2020 habe durchgehend dolmetsch-gestützte psychotherapeutische, psychologische und medizinische Betreuung angeboten werden können.

Signifikant weniger Minderjährige angemeldet

Während der Lockdown-Zeiten wurden signifikant weniger Minderjährige bei „Hemayat“ angemeldet. Das habe damit zu tun, dass zuweisende Stellen wie Kindergärten und Schulen nur eingeschränkt besucht wurden. „Wir stellen uns darauf ein, dass sehr viel psychotherapeutischer Bedarf bei Minderjährigen sichtbar werden wird, wenn wieder Normalisierung eintritt und dass wir gefordert sein werden, schnell zu helfen“, erläuterte Nora Ramirez Castillo, die für Therapiekoordination zuständige Psychologin bei „Hemayat“, in einer Aussendung.

Traumata wirken weit über die Dauer des Ereignisses hinaus

Im Krieg und unter politisch repressiven Verhältnissen erlittene Traumata wirken weit über die Dauer des unmittelbar lebensbedrohlichen Ereignisses hinaus, wird in dem Jahresbericht betont. Die Häufigkeit posttraumatischer Belastungserkrankungen liege bei Folteropfern bei nahezu 100 Prozent. Die Betroffenen leiden etwa unter Schlafstörungen, Albträumen, nervöser Unruhe, körperlichen Schmerzzuständen, Schuldgefühlen und Konzentrationsschwierigkeiten.

Geschehnisse werden erstmals anvertraut

„Hemayat“ sei oft die erste Stelle, der die Geschehnisse anvertraut werden. Viele Klientinnen und Klienten erfahren zudem beim Erstgespräch zum ersten Mal, dass ihre Symptome eine ganz normale Reaktion auf das erlittene Trauma sind, und sie keineswegs „aus heiterem Himmel verrückt“ werden, hieß es in der Aussendung. Das entlaste und beruhige die Betroffenen. Ziel von „Hemayat“ sei es, die Symptome zu lindern sowie Gesundheit, Arbeitsfähigkeit und soziale Kompetenz wiederherzustellen, um eine Integration in Österreich zu unterstützen.