Models und Influencerinnen Tamara und Maureen
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Let’s go viral!

Die Zukunft ist komplett Diversity

Maureen und Tamara, zwei bekannte junge Models und Influencerinnen aus Wien, haben sich dem Diversity-Empowerment-Medienprojekt angeschlossen und machen im Interview mit „Let’s go viral!“ klar, dass für sie der Kampf gegen Rassismus eine Herzensangelegenheit ist.

Logo „Let’s go viral!“
Ana Grilc

Maureen und Tamara haben beide Migrationshintergrund und stehen für eine Generation von jungen Wienerinnen, die ihren bikulturellen Background als Stärke empfinden. Maureen und Tamara wollen ihren Einfluss im Netz – sie haben gemeinsam um die 800.000 Follower auf Instagram – auch für den Erhalt von Menschenrechten und Diversity einsetzen.

Ihr seid in zwei Kulturen groß geworden. Musstet ihr Euch mit Rassismus auseinandersetzen?

Maureen: Tamara und ich sind Österreicherinnen, wir sind hier aufgewachsen, wir sprechen die Sprache fließend, ich habe hier maturiert. Was soll uns groß von einer „normalen Österreicherin“ unterscheiden? Neben meiner österreichischen Herkunft habe ich auch Wurzeln in Afrika. Das bietet mir Einblick in eine weitere Kultur. Ich esse oft anderes, großartiges Essen und spreche Englisch zu Hause. Das sind alles Vorteile. Trotzdem wurde ich schon mit Rassismus konfrontiert. Ich kenne zwar Menschen, die noch weit mehr damit zu kämpfen haben, aber ich habe immer so kleine Beleidigungen erlebt, wie dass mir jemand nachgespuckt hat.

Das ist ja schrecklich, wenn einem jemand nachspuckt. Da kann man leicht das Selbstwertgefühl verlieren. Was können die Betroffenen tun, damit das nicht passiert?

Tamara: Das ist eine gute Frage, wie man sein Selbstbewusstsein nicht verliert. Man muss sich einfach bewusst machen, wer man ist und woher man kommt. Die Leute, die dich lieben, lieben dich bedingungslos. Die Leute, die dich hassen, werden immer einen Grund finden, dich zu hassen. Das kann dann einmal die Herkunft oder dein Aussehen sein. Ich habe begonnen, mich auf die Sachen zu fokussieren, die ich gut an mir finde. Da gehört zum Beispiel auch meine Herkunft dazu. Diese positive Einstellung entwickle ich immer weiter und damit kann ich auch meine Umgebung happy machen.

Models und Influencerinnen Maureen und Tamara
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Ihr setzt Euch für die „Black lives matter“-Bewegung ein. Was ist eure Motivation?

Maureen: „Black lives matter!“ bedeutet unglaublich viel für mich. Es ist nur schwer zu beschreiben, wie viel Schmerz, aber auch Freude in diesem Movement steckt. Ich habe mich sehr früh mit dem Thema Rassismus befassen müssen, weil ich schon von klein auf gemerkt habe, dass ich anders bin und vor allem anders wahrgenommen werde in Österreich. Es ist sehr wichtig, dass Menschen mit nicht weißer Hautfarbe gleichberechtigt gesehen und behandelt werden.

Als ihr mit 50.000 Menschen gegen institutionellen Rassismus demonstriert habt, haben Euch Fans auf der Demo um Selfies gebeten. Ihr habt daraufhin gepostet, dass die Sache zu ernst sei, um lachend auf einem Foto aufzuscheinen. Hatten Eure Fans Verständnis dafür?

Tamara: Ja, die Leute sind da total cool. Ich mache natürlich auch Blödsinn, ich bin ja noch ein Teenager. Aber wenn Menschenrechte verletzt werden, will ich meine Reichweite dafür nutzen, den Menschen diesen Wahnsinn aufzuzeigen. Da will ich nicht schweigen.

Kann so eine Haltung gegen Rassismus nicht auch Follower kosten?

Tamara: Meiner Meinung nach sind homophobe, sexistische und auch rassistische Menschen dumme Menschen, weil sie sich einfach nicht informiert haben.

Maureen: Es wäre wichtig, dass man den Leuten von klein auf beibringt, dass wir alle gleich sind. Wir sind alle Menschen und wollen gut und fair behandelt werden. Da spielt es keine Rolle, welche Religion, welche Hautfarbe ein Mensch hat oder auf wen sie oder er steht.

Tamara: Genau so ist es! Die Leute feiern mich jetzt, obwohl sie gar nicht wissen, welche sexuelle Orientierung ich habe. Würden sie mich weniger feiern, wenn ich zum Beispiel bisexuell wäre? Dieser kleine Fakt könnte bewirken, dass du mich nicht mehr magst? Das kann ich einfach nicht verstehen und ich finde das auch extrem ungerecht. Da kann ich total emotional werden!

Jungen Menschen mit Migrationshintergrund wird oft das Gefühl gegeben, dass sie ein Problem sind und dass sie nicht wirklich zur Gesellschaft gehören. Wie seht ihr das?

Maureen: Ausländer und Leute mit Migrationshintergrund zu benachteiligen, ist der falsche Weg, um eine ordentliche Zukunft aufzubauen. Niemand weiß, was alles entstehen könnte, wenn man diese Menschen genauso wie die sogenannten Einheimischen fördert. Es wird immer mehr Austausch geben, mehr Vermischung und unsere Zukunft hat nur ein Motto: „Diversity“.

Nun noch eine Frage zu eurer beruflichen Leidenschaft, der Mode. Es braucht 2.700 Liter Wasser, um ein einfaches T-Shirt zu produzieren. Glaubt ihr nicht, dass wir auch auf diesem Gebiet umdenken müssten?

Tamara: Der Schutz unserer Umwelt ist klarerweise das wichtigste. Wir wollen ja, dass noch Generationen auf diesem Planeten leben können. Die großen Modeketten reagieren jetzt mit Second Hand-Modelinien. Das ist eine gute Möglichkeit, neue Looks auszuprobieren. Second hand heißt ja nicht, dass die Klamotten schlechter sind. Viele sind sogar cooler, weil sie Vintage sind.

Interview mit Tamara und Maureen