Einmal verfolgt, immer verfolgt

Ganz auf die Faktenlage konzentriert sich der „Die Presse“-Journalist und Buchautor Wolfgang Freitag bei der Rekonstruktion eines Schicksals, das nicht nur von NS-Verfolgung, sondern von Diskriminierung und auch in der Nachkriegszeit fortgesetztem Unrecht erzählt.

Der aus dem burgenländischen Loipersdorf stammende Rom Karl Horvath wurde 1939 als sogenannter „Asozialer“ nach Dachau deportiert und überlebte die Torturen im Konzentrationslager Gusen bei Mauthausen.

Der Fall Karl Horvath

Mandelbaum Verlag

Wolfgang Freitag: Der Fall Karl Horvath. Ein Loipersdorfer „Zigeuner" vor dem Linzer Volksgericht“. Mandelbaum Verlag. 128 Seiten. 15 Euro. ISBN: 978-3-85476-575-2

Kampf gegen zweifaches Unrecht

Nach seiner Befreiung wurde er jedoch in Linz von anderen ehemaligen KZ-Häftlingen auf offener Straße „erkannt“ und schwerer Straftaten beschuldigt - eine offenkundige Verwechslung mit einem ihm ähnlich sehenden besonders brutalen Kapo. Dennoch wurde er 1948 vom Linzer Volksgericht als Kriegsverbrecher verurteilt und erst 1952 in einer von ihm erreichten Wiederaufnahme des Verfahrens freigesprochen. Der Kampf gegen zweifaches Unrecht setzte sich auch danach fort - im weitgehend vergeblichen Ringen um Rehabilitierung und Entschädigung.

Kontinuität der Verfolgung & Kriminalisierung

Wolfgang Freitag hütet sich, irgendetwas rund um den „Fall Karl Horvath“ zu erfinden. Stattdessen schiebt er ausführliche und faktenreiche Exkurse zu jenen Themen ein, die diesen „Fall“ zu einem exemplarischen machen: Er beschreibt die Kontinuität der Verfolgung und Kriminalisierung von Volksgruppen wie der Roma und Sinti, die Nachhaltigkeit, mit der in einstigen Roma-Siedlungen, aber auch am Ort des Konzentrationslagers Gusen buchstäblich Gras über Sachen wächst, an die zu erinnern schmerzhafte Fragen aufwerfen würde, und er schildert Flüchtlingssituation und Justizwesen der unmittelbaren Nachkriegsjahre in Österreich.

Buchpräsentation

Donnerstag, 29. November 2018, 18.30 Uhr, ÖGB-Buchhandlung, Rathausstraße 21, Universitätsstraße, 1010 Wien

Der Mensch Karl Horvath

Aber er vergisst auch nicht darauf, nach bestem Wissen und Gewissen an den Menschen Karl Horvath zu erinnern, der am 4. Jänner 1971 gestorben ist. Denn: „Was kündet sonst noch von diesem mehr als fünf Jahrzehnte währenden Leben? Nur zwei dicke Aktenkonvolute im Oberösterreichischen Landesarchiv. Horvaths Grab am Stadtfriedhof St. Martin (…) ist längst neu belegt.“

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