Volksgruppenrechtsexperte Heinz Tichy verstorben

Heinz Tichy, Verfassungsjurist und Experte für Fragen der Minderheiten- und Menschenrechte, ist in der Nacht auf Sonntag im Alter von 70 Jahren verstorben.

Dies teilte die „Arbeitsgemeinschaft für Volksgruppenfragen – Volksgruppeninstitut“ (ARGE Volksgruppen), deren Gründer und langjähriger Vorsitzender Heinz Tichy war, in einer Aussendung mit. Mit Heinz Tichy „verlieren wir einen profunden und anerkannten Experten in Volksgruppenfragen und einen, der sich aus voller Überzeugung in die Dienste der Österreichischen Volksgruppen stellte“, so Stefan Pauer, Obmann der ARGE Volksgruppen.

Metron 2017. Heinz Tichy

ORF

Heinz Tichy im Rahmen der „Metron“-Preisverleihung

Leiter der Abteilung für Volksgruppenangelegenheiten

Heinz Tichy befasste sich im Verfassungsdienst des Bundeskanzleramts mit Volksgruppenfragen. Er war mit der Ausarbeitung des Volksgruppengesetzes und seiner Verordnungen betraut und somit kam ihm eine wesentliche Rolle bei der Einrichtung und Betreuung der Volksgruppenbeiräte zu. Als langjähriger Leiter der Abteilung für Volksgruppenangelegenheiten war er an zahlreichen internationalen Verhandlungen maßgeblich beteiligt, wie z.B. der Charta der Regional- oder Minderheitensprachen im Rahmen des Europarats und an der Erarbeitung und der Rahmenkonvention zum Schutz nationaler Minderheiten, so die ARGE Volksgruppen.

Autor zahlreicher Publikationen

Heinz Tichy war auch Autor zahlreicher Publikationen zum Volksgruppenrecht. Zuletzt erschien im Jahr 2015 das Buch „Neue Entwicklungen der Volksgruppen in Wien“, in dem ein Überblick über die Ergebnisse der mehr als 30-jährigen Tätigkeit der ARGE Volksgruppen gegeben wird.

Gründer der ARGE Volksgruppen

1983 gründete Heinz Tichy die Wiener Arbeitsgemeinschaft für Volksgruppenfragen, deren Obmann er bis 2017 auch war. Die ARGE Volksgruppen versteht sich als überparteiliche Vereinigung von an Volksgruppenfragen Interessierten, mit dem Ziel die sprachliche und kulturelle Vielfalt in Österreich zu bewahren. Als deren Ehrenobmann engagierte sich Heinz Tichy bis zuletzt und noch Mitte Juni beleuchtete er im Rahmen eines Symposiums das Nationalitätengesetz von 1868 aus juristischer Perspektive.

Berichte über Situation von Volksgruppen

Im Wissenschaftsministerium und später im Bildungsministerium war Heinz Tichy zuletzt mit der Aufgabe des Menschenrechtskoordinators betraut. Im Volksgruppenbereich war Heinz Tichy besonders mit Fragen der Roma sowie im Auftrag des Europarats an Berichten über die aktuelle Volksgruppensituation, unter anderem in Bosnien-Herzegowina, Albanien, Polen und der Tschechischen Republik befasst.

„Metron“-Preis für Tichy

Im März dieses Jahres wurde dem Volksgruppenrechtsexperten für besondere Verdienste um die Kroaten in Wien der Kulturpreis „Metron“ des Kroatischen Zentrums verliehen.

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