Briefbombenserie in Österreich 1993-1996: Brief mit Sprengsatz
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4.12.2023

„Bomben gegen Minderheiten“

30 Jahre nach Beginn des sogenannten Briefbombenterrors in Österreich widmet sich die Initiative Minderheiten mit der Ausstellung „Bomben gegen Minderheiten – Rechter Terror 1993 -1996“ dem Thema. Die Auftaktveranstaltung dazu findet am 4. Dezember im Wiener Volkskundemuseum statt.

Die rassistisch motivierten Brief- und Sprengstoffanschläge gegen Minderheiten sowie gegen ihre Unterstützerinnen und Unterstützer begannen Anfang Dezember 1993 und sollten vier Jahre lang – bis zur Festnahme des „Einzeltäters“ Franz Fuchs im Jahr 1997 – dauern. Die Terrorwelle der selbst ernannten „Bajuwarischen Befreiungsarmee“ hatte mit insgesamt 25 Briefbomben und drei Sprengfallen 13 zum Teil Schwerverletzte und vier Tote zur Folge.

Kreuz für die durch eine Sprengfalle am 4. Februar 1995 ermordeten Angehörige der Roma-Volksgruppe: Peter Sarközi, Josef Simon, Karl Horvath und Erwin Horvath in Oberwart, Burgenland
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Peter Sarközi, Josef Simon, Karl Horvath und Erwin Horvath sterben am 4. Februar 1995 in Oberwart durch eine Sprengfalle

Bomben gegen Minderheiten – Rechter Terror 1993–1996

Montag, 4. Dezember 2023, 17.00-21.00 Uhr, Volkskundemuseum Wien, Laudongasse 15–19, 1080 Wien

Anmeldung unter: office@initiative.minderheiten.at

Politisches Klima, Auswirkungen, Bezüge

Kuratiert wird die Ausstellung „Bomben gegen Minderheiten – Rechter Terror 1993-1996“ von Vida Bakondy, Cornelia Kogoj und Gamze Ongan. In der Auftaktveranstaltung zur gleichnamigen Ausstellung, die ab 24. April 2024 im Volkskundemuseum gezeigt wird, soll der folgenschwerste innenpolitische Terror der Zweiten Republik in das politisch-gesellschaftliche Klima der 1990er-Jahre einbettet werden, die Auswirkungen der Anschläge auf die einzelnen Minderheiten diskutiert und Bezüge zu extremistischen Strömungen heute herstellt werden.

Keynotes und Podiumsdiskussion

So befasst sich der Schriftsteller und Historiker Doron Rabinovici mit dem rechtsextremen Terror unter dem Titel „Von der Sprengfalle des Hasses“. Andreas Peham, Mitarbeiter des Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands geht auf Entwicklungen des Rechtsterrorismus ein und die Rechtsextremismusforscherin Judith Goetz nimmt in ihrer Keynote Bezug auf das „Naheverhältnis der Identitären zum Rechtsterrorismus“. Eine anschließende Podiumsdiskussion mit Manuela Horvath, Silvana Meixner, Joža Messner, Martin Schenk, Terezija Stoisits und Armin Thurnher, unter der Moderation von Vida Bakondy, ist angekündigt.

„Bomben gegen Minderheiten – Rechter Terror 1993–1996“

Ausstellungstermine:

  • 24.4.–2.7.2024, Volkskundemuseum Wien
  • 20.9.–24.11.2024, kärnten.museum, Klagenfurt/Celovec
  • ab Februar 2025, Offenes Haus Oberwart

Erste Briefbombe am 3. Dezember 1993

Vor 30 Jahren, am 3. Dezember 1993, explodierten in der ORF-Minderheitenredaktion in Wien und in der steirischen Pfarre Hartberg die ersten zwei Briefbomben und verletzten die Moderatorin und Redakteurin Silvana Meixner sowie den Pfarrer und Flüchtlingshelfer August Janisch schwer. Bis zum 6. Dezember 1993 wurden weitere acht Briefbomben verschickt, durch eine wurde die linke Hand des damaligen Wiener Bürgermeisters Helmut Zilk verstümmelt.

Anschlag von Oberwart

Am 24. August 1994 explodierte eine vor der zweisprachigen Rennerschule in Klagenfurt/Celovec deponierte Rohrbombe beim Entschärfungsversuch. Dabei verlor der Polizist Theodor Kelz beide Unterarme. Der folgenschwerste Anschlag fand im Februar 1995 in Oberwart statt, bei dem Josef Simon, Karl Horvath, Erwin Horvath und Peter Sarközi – vier Angehörige der Roma-Volksgruppe – durch eine Sprengfalle getötet wurden.

Chronologie: Brief- und Sprengstoffanschläge von 1993-1996