Dokumentation „Schatten der Scham“
Sabina Zwitter-Grilc
Sabina Zwitter-Grilc
25.11.2022

Buchpräsentation „Schatten der Scham“

Die ORF-Journalistin und Autorin Sabina Zwitter-Grilc stellt im Rahmen der „Buch Wien“ ihr Publikation „Schatten der Scham“ über die transgenerationale Weitergabe von Traumata unter den NS-Opfergruppen vor. An dem Gespräch der Autorin mit Literaturkritikerin Katja Gasser nimmt auch Zeitzeugin Katja Sturm-Schnabl teil.

Nach ihrem preisgekrönten gleichnamigen Dokumentarfilm und langjähriger kulturwissenschaftlicher Forschungsarbeit legt Sabina Zwitter-Grilc nun ihr im Hermagoras Verlag / Mohorjeva založba erschienenes Buch vor, das die NS-Vernichtungsgeschichte mit Fragen von Rassismus, Trauma und Widerstand in Verbindung setzt. Im Vordergrund steht dabei die transgenerationalen Weitergabe von NS-Trauma bei den Kärntner Sloweninnen und Slowenen, Jüdinnen und Juden sowie den Romnja und Roma.

Sabina Zwitter-Grilc: Schatten der Scham – Hermagoras Verlag / Mohorjeva založba
Hermagoras Verlag / Mohorjeva založba

Sabina Zwitter-Grilc: Schatten der Scham – Gespräch

Buch Wien, Freitag, 25. November 2002, 11.30-11.55 Uhr, Der Standard-Bühne, Messe Wien, Halle D, Trabrennstraße, 1020 Wien

„Wenn man Menschen lange genug unterdrückt und sie mit der Propaganda der Minderwertigkeit füttert, beginnen sich die Unterdrückten so zu verhalten, als wären sie minderwertig“, meint der US-Sänger und Bürgerrechtskämpfer Harry Belafonte im Interview für „Schatten der Scham“.

Parallelen zwischen Opfergruppen

In ihrer über 30-jährigen Tätigkeit als Journalistin der ORF-Minderheitenredaktion und damit der Sendung „Heimat Fremde Heimat“ befasste sich die Autorin neben Migrations-, Volksgruppen- und Minderheitenfragen immer wieder insbesondere mit Themen betreffend Romnja und Roma sowie Jüdinnen und Juden. Einen Schwerpunkt bildete diesbezüglich der Umgang mit der NS-Gewaltherrschaft. Als Angehörige der Volksgruppe der Kärntner Sloweninnen und Slowenen erkannte sie sehr bald die Parallelen zwischen den Opfergruppen, die wesentlicher Teil ihrer umfassenden Arbeit sind. Da es immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gibt, die als Betroffene der NS-Diktatur berichten können, versteht die Autorin es als Gebot der Stunde, das Leid dieser Opfergeneration zu benennen.

Benennung und Heilung

Das Thema der NS-Traumaweitergabe von Generation zu Generation wird in einen breiteren, universellen Zusammenhang gestellt. „Das Trauma von NS-Opfern soll in Beziehung mit dem Leid ethnisch Diskriminierter weltweit gesetzt werden“, so Zwitter-Grilc. Die Scham der Überlebenden, die durch die nationalsozialistische Gewalt zu Opfern gemacht wurden, heißt es zu durchbrechen. Mittels Offenlegung der Universalität von Unterdrückungs- und Entmenschlichungsmechanismen sowie mithilfe der Benennung des Erlebten durch die Opfer soll die Möglichkeit der Heilung eröffnet werden, so die Autorin.

Neben den Betroffenen aus drei Generationen kommen Harry Belafonte, Lily Brett, André Heller, Peter Handke, Dirk Stermann, Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg, Harri Stojka, Maja Haderlap, Prof. Klaus Mihacek, Prof. Klaus Ottomeyer, Aslı Erdoğan, Gottfried Helnwein, Konstantin Wecker, Ilija Trojanow u.v.a. zu Wort.

Dem Buch ist der Dokumentarfilm „Schatten der Scham“ beigelegt.

Sabina Zwitter-Grilc: Schatten der Scham. Über transgenerationale Traumaweitergabe unter den Kärntner Slowen*innen, Rom*nja, Jüd*innen in Text und Film. Klagenfurt/Celovec. Hermagoras Verlag/Mohorjeva založba. 2022. 252 Seiten. 35,90 Euro. ISBN: 978-3-7086-1212-6