Zeitzeuge Aba Lewit
Stadtkino FIlmverleih
Stadtkino FIlmverleih
ab 27.1.2022

„Der schönste Tag“

Rund um eine Neuausrichtung der Ausstellung in Auschwitz-Birkenau geben Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in „Der schönste Tag“ Einblicke in ihre ganz persönlichen Erinnerungen an den Anschluss, an den Umgang mit Jüdinnen und Juden oder auch die Zeit der Befreiung.

Fabian Eder schuf einen in seiner unsentimentalen Gestaltung berührenden Dokumentarfilm, der nach der Weltpremiere auf der Diagonale 2021 nun am Freitag in die heimischen Kinos kommt. Anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktages am Tag zuvor, am 27. Jänner, laden die Produktionsfirma „Backyard – Manufaktur für Film“ und das Stadtkino Wien in Kooperation mit dem Psychosozialen Zentrum ESRA zur Premiere des Filmes. Die Vorführung findet in Anwesenheit von Regisseur Fabian Eder und dem Filmteam statt. Das anschließende Gespräch wird von Autor Doron Rabinovici moderiert.

Plakat „Der schönste Tag – Wahrheit. Lügen. Erinnerung“
Stadtkino Filmverleih

„Der schönste Tag“

Ein Film von Fabian Eder (A | 2021 | 112 min)

Kinostart: 28. Jänner 2022

Premiere: Donnerstag, 27. Jänner 2022, 19.30 Uhr

Stadtkino im Künstlerhaus, Akademiestraße 13, 1010 Wien

Neugestaltung der Ausstellung in Auschwitz

Zu Beginn hört man Hitlers Rede zum „Anschluss“ Österreichs im März 1938, gleichzeitig werden die Aufsteller der 1978 bis 2018 gezeigten Ausstellung in Auschwitz abmontiert. In der Schau wurde Österreich als erstes Opfer des Nationalsozialismus geführt. Hannah Lessing, mitverantwortlich für eine Neugestaltung der Schau und Generalsekretärin des Fonds für Opfer des Nationalsozialismus erklärt, dass bei einer Neuausrichtung „heute mehr auch österreichische Täter gezeigt werden“.

Schweigen nach Ende der Kriegs

Getragen wird der Film aber von den Gesprächen, die alle in Zügen stattfinden, die die Reise durch die eigenen Erinnerungen illustrieren. Zwei Menschen sitzen sich in einem Zugabteil gegenüber. Die Fahrt ohne bestimmtes Ziel wird zum Zwischenraum und gleichzeitig zur Metapher – es gibt Gelegenheit, über Dinge zu sprechen, die man vielleicht sonst lieber für sich behält, Fragen zu stellen, die man sich nicht zu fragen traut. Wie war das damals, 1938, als Österreich Teil Deutschlands und damit des NS-Staates wurde? Die Antworten reichen vom beleidigten Mädchen, dem Hitler in Wien nicht die Handschüttelte, bis hin zu Aba Lewits Erinnerungen an die eigene Flucht und Deportation. Gemeinsam ist allen: das Schweigen nach Ende des Krieges. Als „zugedeckt“ wird der Umgang der österreichischen Gesellschaft mit der eigenen, damals noch jungen Vergangenheit beschrieben.

Bestandsaufnahme Österreichs

Eder präsentiert gleichzeitig eine Bestandsaufnahme Österreichs: halbherzige Gedenkveranstaltungen, bierselige Feste zu Ehren gefallener Soldaten, im Verschwinden begriffene jüdische Friedhöfe. Auch den von rechter Seite populärer werdenden Wunsch nach einem Ende vermeintlich überzogener Erinnerungskultur. Der schönste Tag betritt ein Panoptikum der Narrative. Und zeigt in seiner offenen Form auch zurück auf uns selbst: Welche Geschichten erzählen wir uns eigentlich? Woran entscheiden wir uns zu glauben?

Mitwirkende:

Aba Lewit, Heinz und Theo Krausz, Edith Walter und Valerie Schieder, Ines und Adrian Kluger, Gerhard Kastelic; Hannah Lessing, Doron Rabinovici, Hannes Sulzenbacher, Heidemarie Uhl u.a.

Sondervorstellung: Freitag, 28. Jänner 2022, 19.30 Uhr

mit dem Titel „Der Akademiker-Ball oder: Wie Gedenkkultur parteipolitisch beschädigt wird“; im Anschluss an den Film sind am Podium zu Gast: Gerhard Baumgartner (Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands – angefragt), Doron Rabinovici (Autor), Fabian Eder (Regisseur) – Moderation: Bernhard Fellinger (Ö1)