Der Eingansgbereich zum Haus der Geschichte Österreich (7.11.2018)
HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com
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ab 9.2.2021

„Verfolgen und aufklären“

Das Haus der Geschichte Österreich stellt mit der Ausstellung „Verfolgen und Aufklären“ Pionierinnen und Pioniere der Holocaust-Forschung ins Rampenlicht.

Zwischen 1939 und 1945 ermorden die NationalsozialistInnen sechs Millionen Jüdinnen und Juden. Das Engagement von einzelnen Menschen und Forschungsnetzwerken dokumentiert Taten und verhindert das Vergessen. 20 dieser Forscherinnen und Forscher würdigt die Ausstellung „Verfolgen und Aufklären: Die erste Generation der Holocaustforschung“, die bis 6. April 2021 im Haus der Geschichte Österreich (hdgö) zu sehen ist.

Verfolgen und Aufklären: Die erste Generation der Holocaustforschung

von Dienstag, 9. Februar bis Dienstag, 6. April 2021, Haus der Geschichte Österreich, Neue Burg, Heldenplatz, 1010 Wien

Das Morden vor dem Vergessen bewahren

Die Täterinnen und Täter wollten alle Spuren ihres Verbrechens verschleiern und die Betroffenen versuchten noch während des Mordens, dieser vollständigen Auslöschung entgegenzuwirken, teilt das hdgö in einer Aussendung zur Ausstellung mit. Jüdinnen und Juden aus ganz Europa dokumentierten die Taten, sammelten Fakten und sicherten Spuren. Sie gründeten Archive und Forschungsgruppen, die nach Kriegsende ihre Arbeit fortsetzten. Sie bewahrten den millionenfachen Mord vor dem Vergessen – und er blieb nicht ohne Konsequenzen: Bücher, Gedenkstätten, Forschungsinstitute, Gerichtsprozesse und nicht zuletzt die UN-Genozidkonvention von 1948 sind Resultate ihres leidenschaftlichen Engagements.

Im Institut für Kriegsdokumentation in Amsterdam ordnet Louis de Jong Dokumente über die deutsche Besatzung der Niederlande, 1950.
Nationaal Archief/Collection Spaarnestad Photo

Einblicke in Biografien

Die Ausstellung würdigt 20 Pionierinnen und Pionieren der Holocaust-Forschung und gibt Einblick in ihr Leben und Wirken. Das sind: Rachel Auerbach, Nachman Blumental, Ilja Ehrenburg, Philip Friedman, Tuviah Friedman, Wassili Grossman, Maria Hochberg-Marianska, Louis de Jong, Filip Müller, Emanuel Ringelblum, Hersch Lauterpacht, Raphael Lemkin, Leon Poliakov, Eva Reichmann, Gerhart Riegner, Jacob Robinson, Massimo Adolfo Vitale, Alfred Wiener, Simon Wiesenthal und Joseph Wulf. Mit ihrer Arbeit wollten sie Gerechtigkeit herstellen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen: Diese sollten überführt und vor Gericht gestellt werden.

Aufklärung durch Forschungsarbeit

Die Ausstellung „Verfolgen und Aufklären“ vermittle „neue Perspektiven auf die Situation der Überlebenden der Shoa und ihre Anstrengungen, die Erinnerung wach zu halten und zu verhindern, dass Vergleichbares noch einmal passiert“, sagt hdgö-Direktorin Monika Sommer. Infolge der Forschungsarbeit, die noch während des Krieges begonnen hat und nach 1945 die Aufklärung vorantrieb, konnten Archive, Forschungsstellen, Publikationen und Zeitschriftenreihen enstehen. Auf diese Weise wurde die Holocaustforschung als akademische Disziplin etabliert. Die breiten Materialbestände bilden das Fundament für bedeutsame Institutionen, die der Erinnerung, Erforschung und Dokumentation des Völkermords gewidmet sind.

Die Ausstellung der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz und des Touro College Berlin in Zusammenarbeit mit der Wiener Library London wird in Wien auf Initiative des Vienna Wiesenthal Instituts gezeigt.