„Das neue Evangelium“ von Milo Rau
Fruitmarket, Langfilm & IIPM/Armin Smailovic
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Film

„Das neue Evangelium“ von Milo Rau

„Das neue Evangelium“ ist der Titel des jüngsten Films von Milo Rau – eine Verschmelzung von Dokumentarfilm, Spielfilm, politischer Aktionskunst und Passionsspiel. Am 17. Dezember ist der digitale Filmstart in Österreich.

Es ist ein Statement zu Gerechtigkeit, Mitmenschlichkeit und Solidarität, das der gefragte Schweizer Regisseur, Theaterautor, Essayist und Wissenschaftler Milo Rau setzen will. In der Hauptrolle des Filmes, der in der süditalienischen Stadt Matera inszeniert wurde, ist der Politaktivist Yvan Sagnet zu sehen. So wurde ein hochpolitischer Jesus-Film, in dem biblische Erzählung und verzweifelte Revolte ineinanderfließen geschaffen. „Das neue Evangelium“ versteht sich als Manifest für die Opfer des westlichen Kapitalismus, das angesichts der europäischen Flüchtlingskrise und der weltweiten Black-Lives-Matter-Bewegung aktueller nicht sein könnte. Es ist „ein authentisch politisches wie auch theatralisches und filmisches neues Evangelium für das 21. Jahrhundert“, heißt es.

„Das neue Evangelium“ von Milo Rau
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Yvan Sagnet auf der Suche nach „Jüngern“

Der Hauptdarsteller und gebürtige Kameruner Yvan Sagnet arbeitete selbst auf einer Tomatenplantage in Apulien, bis er 2011 den bisher größten Streik in der italienischen Landwirtschaft organisierte. Sagnet engagiert sich seit Jahren gegen die Zwangsarbeit und Ausbeutung von Menschen in der italienischen Agrarindustrie. 2017 gründete er auch den Verband „NoCap“ gegen die Ausbeutung von Landarbeitern durch das kriminelle System „Caporalato“ und für bessere, ethischere Arbeitsbedingungen. Für das Filmprojekt zieht er 2019 durch die Lager rund um Matera, wo er seine „Jünger“ findet. Es gesellen sich zahlreiche Laiendarstellerinnen und -darsteller aus Matera selbst dazu sowie Kleinbäuerinnen und -bauern der Region, die von großen Agrarunternehmen in den Bankrott getrieben werden und Seite an Seite mit den Flüchtlingen auf die Missstände aufmerksam machen und die „Revolte der Würde“ (Rivolta della dignità) ausrufen.

Schauspieler aus einstigen Jesus-Filmen

Gleichzeitig besetzt Milo Rau weitere Rollen mit Schauspielerinnen und Schauspielern aus den Filmen von Pier Paolo Pasolini und Mel Gibson, die ihre legendäre Filme über Jesus ebenfalls im süditalienischen Matera realisiert haben. So ist Enrique Irazoqui, der jüngst verstorbene Jesus-Darsteller Pasolinis, in seiner letzten Filmrolle als Johannes der Täufer zu sehen. Maia Morgenstern spielt – wie auch bei Mel Gibson – die Mutter des Messias.

„Das neue Evangelium“ von Milo Rau
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Digitaler Filmstart mit Erlös für Kinos

Nach der Weltpremiere in Venedig hätte der Film nun eigentlich in die heimischen Kinos kommen sollen, was Corona-bedingt verhindert wurde. Nun verbindet der Filmemacher Milo Rau den digitalen Start seines Filmes mit einer Unterstützung der darbenden Kinobranche. So wird „Das neue Evangelium“ ab 17. Dezember in Österreich und Deutschland und Österreich digital gestartet. 9,99 Euro kostet ein Streamingzugang, wobei 30 Prozent der Erlöse an ein Kino der Wahl gehen. Im Falle von Österreich wäre dies das Wiener Filmcasino. Zusätzlich wird als Bonusmaterial ein Q&A mit Regisseur Milo Rau und dem Hauptdarsteller und Politaktivisten Yvan Sagnet abrufbar sein.