Flüchtlinge am Grenzübergang in Spielfeld aufgenommen am Donnerstag, 11. Februar 2016. Im Grenzmanagement in Spielfeld werden die ankommenden Flüchtlinge registriert, versorgt und anschließend weitertransportiert.
HARALD SCHNEIDER / APA / picturedesk.com
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Neuerscheinung

Die andere Geschichte des Hotspots Spielfeld

Sie ist mittlerweile ein Stück Zeitgeschichte: die große Fluchtlingbewegung von 2015/16. Mit dem Buch „Grenzerfahrungen/Border(line) Experiences“ wurden nun die Ereignisse an der südsteirischen Grenze dokumentiert.

Birgit Roth, Petra Leschanz und Sylvia Altenbacher – die führenden Köpfe der Hilfsplattform „Border Crossing Spielfeld“ – haben die Ereignisse an der südsteirischen Grenze in vielfältiger Weise dokumentiert und aufgearbeitet. Das Ergebnis liegt nun in Buchform vor.

„Grenzerfahrungen/Border(line) Experiences“

Herausgegeben von Birgit Roth, Petra Leschanz und Sylvia Altenbacher, 174 Seiten, 23 x 24,5 cm, in deutscher und englischer Sprache, Südwind-Verlag, Wien, ISBN 978-3-902906-44-1

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Differenziertes und vielfältiges Bild

In „Grenzerfahrungen/Border(line) Experiences“ zeichnen die drei Herausgeberinnen und Autorinnen ein überaus differenziertes und vielfältiges Bild der damaligen Ereignisse. Dabei beziehen sie sich einerseits auf ihre eigenen Erfahrungen. Zum anderen erzählen auch andere Involvierte, Helfer aus dem In- und Ausland sowie Betroffene ihre Geschichte. Das zweisprachige Buch – Deutsch und Englisch – erzählt auf 174 Seiten ein anderes Narrativ der Ereignisse an der mythenumsponnenen Balkanroute vor fünf Jahren als dies von der Politik, aber vielfach auch von den Medien transportiert wurde. Das Bildmaterial ist sorgfältig gewählt und gut dosiert.

Schutzsuchende kommen zu Wort

Dadurch, dass außer den Helferinnen und Helfern auch Schutzsuchende selbst zu Wort kommen, erhält der Band eine bedrückende Authentizität, die vielen Texten über dieses Thema fehlt. Die Autorinnen verzichten trotz der deklariert subjektiven Sichtweise weitestgehend auf Polemik, was dem dokumentarischen Charakter dieses Sachbuches ebenfalls zu Gute kommt.

Zuständigkeit von „Niemandsland“

Der Leser erfährt einige Dinge, die bisher in dieser Form nicht oder kaum bekannt waren. Ein Kapitel etwa befasst sich mit dem angeblichen Streifen „Niemandsland“ beim Grenzübergang Spielfeld, in dem im Spätsommer 2015 Tausende Flüchtlinge gestrandet waren und für die sich kurzfristig weder die slowenischen noch die österreichischen Behörden zuständig fühlten. Anhand von Kartenmaterial wird klar, dass der größte Teil des „Niemandslandes“ in Österreich und somit auch in der Verantwortlichkeit der hiesigen Behörden lag.

„Die Grenze als Bühne“

Ein spezielles Thema beleuchtet der im Buch enthaltene Aufsatz „Die Grenze als Bühne“ von Birgit Roth, in dem sie sich mit den Medieninszenierungen von Politikern und rechtsextremen Aktivisten vor Ort auseinandersetzt. Auch hier erfährt man so manches erschreckende Detail, das bisher nicht bekannt war oder seither in Vergessenheit geraten ist.

Der Reingewinn aus dem Buchverkauf kommt der Flüchtlingshilfe zugute.