Peter Simonischek als Dirigent Eduard Sporck im Film „Crescendo“ (D, 2019) von Dror Zahavi
Oliver Oppitz Photography
Oliver Oppitz Photography
bis 21.10.2020

Jüdisches Filmfestival Wien 2020

Unter dem Motto „Tear down the walls / Reißt die Mauern nieder!“ findet zum 28. Mal das Jüdische Filmfestival in Wien statt. Durch das Programm wird die Frage aufgeworfen, welche physischen Mauern und Mauern im Denken heute abgetragen werden sollen.

Porträts jüdischer Frauen, die mit kreativer Energie ihre Ziele erreichten, geben nur einige der möglichen Antworten. Neue Berichte von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen der Naziherrschaft enthüllen Unerwartetes. Eine Auswahl an neuen und älteren Spielfilmen, speziell auch aus der DDR und Israel, zeigt Mauern auf und wird vom Festivalveranstalter dennoch als „unterhaltsam, lustig und humorvoll“ angekündigt.

Jüdisches Filmfestival 2020 unter dem Motto „Tear Down the Walls“
Jüdisches Filmfestival Wien

Eröffnungsfilm „Crescendo“

Insgesamt werden über 50 Spiel- und Dokumentarfilme, darunter zahlreiche Österreich-Premieren, gezeigt. Eröffnet wird das Festival im Village Cinema Wien Mitte mit dem deutschen Film „Crescendo“ von Dror Zahavi. Darin übernimmt der berühmte Dirigent Eduard Sporck (Peter Simonischek) die nahezu unlösbare Aufgabe, ein Jugendorchester mit Palästinensern und Israelis zusammenzustellen, das im Rahmen von Friedensverhandlungen zwischen Diplomaten aus Israel und Palästina in Südtirol ein Konzert geben soll. Die Jugendlichen sehen nach und nach im gemeinsamen Zueinanderfinden und Musizieren einen ersten Weg zur Überbrückung von Hass, Intoleranz und Terror.

Antisemitismus & Rechtsextremismus

Der US-Dokumentarfilm „Hate Among Us“ beleuchtet die Zunahme von Antisemitismus und Rechtsextremismus weltweit und geht der Frage nach, inwiefern Antisemitismus Hand in Hand mit Rassismus und Fremdenhass gehe. Der Film sei auch „eine gute Grundlage für Diskussionen darüber, wie wir es schaffen können, die ‚Mauern niederzureißen‘, um in einer pluralistischen Gesellschaft friedlich zusammenzuleben“, so die Festivalveranstalter.

Dokumentarfilm „Mrs. G“
Muse Productions

Frauen-Schwerpunkt

Beim diesjährigen Festival gibt es auch einen Frauen-Schwerpunkt. Unter anderem wird die amerikanische Dokumentation „Ask Dr. Ruth“ (8.10. in Village Cinema) gezeigt. Dokumentarfilmer Ryan White zeichnet ein umfassendes und unterhaltsames Porträt von der 1928 in Deutschland geborenen Ruth Westheimer, die in den 1980er Jahren mit Ratschlägen rund um das Thema Sex zur weltweiten Popikone wurde. Der biografische Spielfilm „Charlotte“ (15.10. im Village Cinema) aus dem Jahr 1980 erzählt vom Leben der Künstlerin Charlotte Salomon, die im Jänner 1939 von Berlin zu ihren Großeltern nach Südfrankreich flüchtet. Das Malen wird für die 21-jährige Charlotte zu einem Werkzeug, mit dem sie ihrer Verzweiflung über den Suizid ihrer Mutter sowie die Selbstmordgedanken ihrer Großmutter begegnet. Es entsteht der Zyklus „Leben? Oder Theater?“. 1943 wird Charlotte Salomon in Auschwitz ermordet. Die Filmdokumentation „Mrs. G“ (17.10. im Village Cinema) ist die Geschichte von Lea Gottlieb, Holocaust-Überlebende und legendäre Designerin, Gründerin und Chef-Designerin des Bademode-Imperiums „Gottex“.

Dokumentarfilm „Liebe war es nie“
L&P

Holocaust-Schwerpunkt

In einem Holocaust-Schwerpunkt wird unter anderem der österreichisch-israelische Dokumentarfilm „Liebe war es nie“ (10.10. im Village Cinema) gezeigt. Darin wird die tragische Liebesgeschichte zwischen der jungen Jüdin Helena Citron, Häftling in Auschwitz, und dem österreichischen SS-Offizier Franz Wunsch erzählt. 30 Jahre später sehen sich die beiden im Wiener Gerichtssaal wieder: sie als Zeugin und er als Angeklagter.

Aufgrund der aktuellen Corona-Maßnahmen weisen die Veranstalter darauf hin, die Möglichkeit des Online-Kaufs von Tickets zu nutzen.