Produktionssujet „Geleemann, die Zukunft zwischen meinen Fingern“ von Amir Gudarzi
Mani Froh Druck
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ab 24.9.2020

„Geleemann, die Zukunft zwischen meinen Fingern“

Das Theater WERK X-Petersplatz eröffnete seine Spielzeit mit der Uraufführung des Stückes „Geleemann, die Zukunft zwischen meinen Fingern“ von Amir Gudarzi, in einer Inszenierung von Maria Sendlhofer.

Der politisch wie poetische Text des in Wien im „unfreiwilligen“ Exil lebenden Iraners Amir Gudarzi erzählt von der Sehnsucht nach Nähe und dem dringlichen Bedürfnis, gehört und verstanden zu werden. Dabei fordert er ein, der Geschichte und dem gesellschaftlichen Verdrängen ins Gesicht zu schauen. So kommt es zu einem komplexen Konstrukt aus Rassismus und Stereotypen, Geschichte und Gegenwart, Bewusstsein und Verdrängung, dass sich die Wiener Kurdenmorde von 1989, die NS-Vergangenheit Österreichs, das Attentat von Oberwart, die Grüne Revolution im Iran von 2009, die Ermordung politischer Gefangener am Ende des Iran-Irak-Kriegs, ebenso wie Berichte der österreichischen Boulevard-Presse, heutigen Antisemitismus oder eine Fahrt in der U6 zum Thema macht.

„Geleemann, die Zukunft zwischen meinen Fingern“

Donnerstag, 24. September 2020, 19.30 Uhr, WERK X-Petersplatz, Petersplatz 1, 1010 Wien; weitere Termine: 26., 27. & 30.9.2020 sowie am 1. & 2.10.2020, jeweils 19.30 Uhr

Umgang mit Widersprüchen

In Zusammenarbeit mit der Regisseurin Maria Sendlhofer entsteht ein Abend, der sich einfacher Bewertungen entzieht und den Zusehenden den Umgang mit Widersprüchen abverlangt, heißt es zum Stück. „Niemand kann diesem Stück von Amir Gudarzi gleichgültig begegnen, es fordert heraus, es provoziert Widersprüche und verweigert dem Publikum die einfache Zustimmung oder Ablehnung. Wir begegnen in der Figur des Geleemanns jemandem, der Täter und Opfer zugleich ist. Das Stück ist der Versuch, der eigenen Voreingenommenheit bewusst zu begegnen. Dies ist die Verantwortung jedes*r Einzelnen. Hinterfragen wir die Bilder, die wir in uns tragen“, so Maria Sendlhofer, die das Stück inszeniert hat.

Mit:

  • Clara Schulze-Wegener
  • Simonida Selimović
  • Philipp Auer
  • Johnny Mhanna
  • Musik: Pouyan Kheradmand

Autor Amir Gudarzi

Amir Gudarzi wurde 1986 in Teheran geboren und graduierte an der damals einzigen Theaterschule des Landes. Er studierte szenisches Schreiben in Teheran und verfasste neben dramatischen Werken Drehbücher für Serien und Spielfilme. Seit 2009 lebt Gudarzi im Exil in Wien, wo er Theater-, Film- und Medienwissenschaften studierte.
2017 gewann er den österreichischen exil-DramatikerInnenpreis. 2018 wurde sein Stück „Arash / Heimkehrer" im Theater Drachengasse in Wien uraufgeführt, im gleichen Jahr erhielt er das Dramatikerstipendium des österreichischen Bundeskanzleramts und war für das Hans-Gratzer-Stipendium nominiert. Derzeit arbeitet er an seinem Debütroman.

Eine Produktion von Andromeda Theater Vienna in Kooperation mit WERK X-Petersplatz.