Chronik

Tschechischer Philosoph Jan Sokol gestorben

Der tschechische Philosoph Jan Sokol ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Das teilte die Václav-Havel-Bibliothek am Dienstag in Prag mit. Der Intellektuelle christlicher Prägung kandidierte 2003 erfolglos gegen den Neoliberalen Václav Klaus für das Präsidentenamt.

Seine Aufsätze über Ethik, Menschenrechte, Bildung und Politik erschienen auch in deutscher Übersetzung. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen wie den Offiziersorden der französischen Ehrenlegion und den Preis „Vize 97“ (Vision 97).

Vor der Wende von 1989 kämpfte Sokol, der ursprünglich Mathematik studiert hatte, als Dissident gegen das kommunistische Regime. Er zählte zu den Erstunterzeichnern der Petition Charta 77, die sich für mehr Bürgerrechte einsetzte. Im Untergrund hielt er Seminare unter anderem über Friedrich Nietzsche ab.

Nach der Samtenen Revolution wurde Sokol erst Parlamentsabgeordneter und später für kurze Zeit Schulminister. Er war Gründungsdekan der neuen Fakultät für Humanwissenschaften der Karls-Universität in Prag.

Tschechischer Philosoph Jan Sokol
František Vlček / MAFRA / Profimedia

Der Präsident des tschechischen Verfassungsgerichts, Pavel Rychetský, würdigte Sokol als einen „außerordentlich ehrenhaften und prinzipienfesten Menschen“. Er habe die Fähigkeit besessen, Leute unterschiedlichster Ansichten zusammenzubringen.

Ex-Kulturminister Daniel Herman hob Sokols Überzeugung hervor, dass man ohne moralische Basis keine gesunde Gesellschaft aufbauen könne. Auch zahlreiche weitere Politiker und der katholische Prager Erzbischof Dominik Duka drückten ihr Beileid aus.