Glücklich sein ist keine Option | Marie-Fragment im Schubert Theater

Ein Dialog zwischen einer Schauspielerin und einer Puppe. Ein Gespräch zwischen Mutter und Tochter. Ein ausführlicher Monolog oder auch eine brillante Aufführung des Wiener Schubert-Theaters, das sich auf Puppenspiel spezialisiert hat. All dies ist das Theaterstück des griechisch-deutschen Schriftstellers mit dem Titel „Marie-Fragment“.

Aristoteles Chaitidis schrieb dieses Stück in seiner Muttersprache Griechisch. Er wurde von einem einfachen Zeitungsartikel inspiriert. Von einem einfachem Thema des Theaterstücks kann jedoch nicht die Rede sein.

Marie-Fragment

Schubert Theater

Was der Zuschauer nicht sieht und zu Beginn nicht einmal ahnt, ist, dass es im Endeffekt um ein tragisches Lebensende eines jungen Mändchens geht. Ihre Mutter vertraut sich in einem Gespräch mit dem Porträt ihres verstorbenen Mannes über die Beziehung zu ihrer Tochter an, blickt zurück auf ihr Leben, stellt Fragen, und gibt auch zu, dass sie sich nie besonders gut mit der Rolle der Mutter indentifizieren konnte.

Das sich natürlich entwickelnde Theaterstück zieht das Publikum in seinen Bann, sei es durch die Kraft und Unmittelbarkeit der gesprochenen Worte oder des minimalistischen Arrangements, in welchem man genug Raum für die Schauspielkunst der Protagonistin in beiden Hauptrollen lässt. Nicht zu vergessen das passende und entwaffnende Zusammenspiel der Schauspielerin und der Puppe. Mutter und Tochter steigen plötzlich in ein direktes Gespräch ein, eine Sekunde später teilen sie wieder jeweils separat mit den Zuschauern das eigene Unglück, das scheinbar zusammenhängt, obwohl es unterschidlich empfunden und begründet ist.

Über Marie-Fragment spricht der Autor Aristoteles Chaitidis:

Die Stärken dieses Stücks sind zwar zwei sehr einfache Gedanken, die aber im Zusammenhang mit dem tragischen Ergebnis, sehr wahrhaft und kraftvoll wirken. „Niemand wählt freiwillig ungücklich zu sein“, sagt zu Beginn des Stücks Schauspielerin Aleksandra Čorovič, in der Rolle der Tochter Marie.

„Glücklich sein ist keine Option. Es ist eine Gnade. Aber sie wird blind erteilt. Von einem Gott, der zu alt und zu müde ist, um genau hinzusehen“, bemerkt nach einer Weile die Mutterfigur und ergänzt: „Andere Mütter haben andere Sorgen. Jede sagt, sie versteht deinen Schmerz, weil sie ja auch Mutter ist, aber das stimmt nicht. Wir sind alle auf unsere Art alleine mit unseren Kindern.“

Marie-Fragment

Schubert Theater

Die Puppenspielerin Aleksandra Čorovič und Autor Aristoteles Chaitidis über die verschiedenen Seiten des Marie-Monologs:

Der Autor Aristoteles Chaitidis weist die Vermutung, dass es sich nur um die Beziehung zwischen Mutter und Tochter handle, zurück, betrachtet sein Stück eher als einen Monolog über die Erinnerungen und ein Trauma, fügt aber hinzu, dass das Spiel „Marie-Fragment" viel Raum für Interpretationen bietet. „Es ist mir wichtig, dass die Oberfläche zugänglich ist, mit vielen Schichten darunter,“ so Autor des Stücks Aristoteles Chaitidis.

Die Vorstellung „Marie-Fragment“ wird das Schubert Theater in Wien wieder im Februar 2019 zeigen. In der Hauptrolle überzeugt Aleksandra Čorovič.

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Schubert Theater - Das Puppentheater für Erwachsene.