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"Slowakisches Aschenputtel" |
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Superstar - Idol der Roma-Jugend
Ein fast schon einfältig unbedarfter Teenager ist über Nacht zum Idol der perspektivlosen Roma-Jugend in der Slowakei geworden.
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Seit die 16-jährige Viera Berkyova im Dezember zur Siegerin der TV-Show "Die Slowakei sucht ihren Superstar" gekürt wurde, gilt sie in den Medien als "slowakisches Aschenputtel", das zur Prinzessin aufgestiegen ist. |
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Neues Selbstbewusstsein
Soziologen trauen dem unbefangen-natürlichen Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen gar zu, was Scharen von Politikern und Nichtregierungsorganisationen bisher vergeblich versuchten: Den als diskriminierte Außenseiter am Rande der Gesellschaft lebenden jungen Roma neues Selbstbewusstsein einzuflößen. Denn Berkyova habe gewonnen, obwohl oder gerade weil sie nicht aus einer der wenigen erfolgreichen Ausnahmefamilien der Roma-Minderheit stamme, sondern in jenen armseligen Verhältnissen aufgewachsen sei, die für viele Roma in der Slowakei typisch seien.
"Jede positive Wahrnehmung in der Öffentlichkeit hilft, negative Stereotype über die Roma zu mildern", sagte die Ethnologin Jana Belisova in der Tageszeitung "Sme". Der Sozialarbeiter Frantisek Gura erklärte in dem Blatt: "Die meisten slowakischen Zuschauer haben ihre ethnische Herkunft kaum wahrgenommen, aber für die jungen Roma war sie stets eine von uns." Das könne anderen Roma Mut machen, sich um Akzeptanz und Erfolg in der Mehrheitsgesellschaft zu bemühen.
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"Natürlichkeit und Einfachheit"
Mit ihrer manchmal derben Natürlichkeit hat das Roma-Mädchen ein Millionenpublikum für sich gewonnen, obwohl die Juroren sie immer wieder kritisierten, weil sie oft unvorbereitet wirkte und sich manche Ungeschicklichkeit leistete. Die Medien sind sich einig, dass gerade ihre im Vergleich zu anderen Bewerbern oft peinlich wirkende Unprofessionalität in Kombination mit einer beeindruckenden Stimme ausschlaggebend für ihren Sieg in der Fernsehshow war. "Bei den Slowaken kommen Natürlichkeit und Einfachheit besser an als zur Schau gestellte Perfektion, die rasch als Arroganz verstanden wird", sagte der Marketing-Experte Marian Timoracky.
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"Mensch, das bin ja ich"
Andere Kommentatoren hoben hervor, dass die Slowaken mit ihren SMS-Stimmen für Berkyova auch bewiesen hätten, dass sie keine Rassisten seien. Dies hob auch Berkyovas Vater in einem TV-Interview hervor. Der lange arbeitslose Hilfsarbeiter mit fast zahnlosem Mund sagte, er sei nicht nur stolz auf seine Tochter, sondern auch "stolz auf die slowakische Nation", dass sie inzwischen so weit gereift sei, jemanden wie seine Tochter anzuerkennen.
Bezeichnend für die Unbefangenheit des neuen slowakischen "Superstars" waren auch die ersten Reaktionen vor laufenden Kameras, als der Sieg verkündet wurde: Als ihr Porträt mit dem Schriftzug "Superstar" hochgehoben wurde, rief sie "Mensch, das bin ja ich" - und ließ einen Kraftausdruck folgen.
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Bescheidene Wohnverhältnisse
Der Jahreswechsel hat Viera Berkyova eine Atempause beschert, aber schon bald wird sie vertragsgemäß zur Vermarktung der Superstar-Serie herumgereicht werden. Sie muss eine CD aufnehmen sowie eine Reihe öffentlicher Auftritte, Autogrammstunden und Fototermine absolvieren. Auch ihr Privatleben wird sie künftig weniger verbergen können. Als Vorgeschmack ist auf der Internet-Seite der auflagenstärksten Tageszeitung "Novy Cas" schon seit Wochen die Frage zu lesen, ob sich Berkyova wohl für ihre bescheidenen Wohnverhältnisse schäme und deshalb als einzige Superstar-Finalistin kein Kamerateam in die Wohnung ihrer Eltern gelassen habe.
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Von Christoph Thanei, dpa |
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