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Mo | 13.02.2012
Maja Osojnik / Foto: Viktor Brázdil
"Lieder in meinen Lebensraum bringen"
Es sei die Sehnsucht nach ihrer Familie, ihrer Umgebung in Slowenien und nach ihrer Sprache gewesen, die die CD "Oblaki so rdeči" (Die Wolken sind rot) entstehen ließ, erzählt Maja Osojnik.
Vor 12 Jahren ist sie von Slowenien nach Wien gezogen. Mit ihrem Quartett hat die Musikerin nun alte slowenische Volkslieder neu arrangiert.
Geprägt von Alter Musik
Die Lieder der CD, die "eher melancholisch geprägt" sind, wie Osojnik selbst meint, erscheinen in einem neuen Gewand, lassen sich einordnen in einer Musikrichtung zwischen Jazz und freier Improvisation, mit experimentellen und abstrakten Elementen; obwohl die Musikerin, die sich selbst gerne zwischen mehreren musikalischen Stilrichtungen bewegt, einer Zuordnung ihres Schaffens nicht allzu viel abgewinnen kann. Geprägt wurde die 30-jährige Slowenin vor allem von der Alten Musik, was auch in dem Ensemble Mikado mit Musik der englischen Renaissance und des Mittelalters, zum Ausdruck kommt. Die Blockflöte, zu deren Studium es sie auch nach Wien verschlagen hat, bezeichnet sie als ihr Hauptinstrument und "die Stimme, die ist dann immer mehr und mehr dazu gekommen".
Maja Osojnik / Foto: Viktor Brázdil

Tod, Krieg, Trennung
Auf ihrer neuen CD präsentiert das "Maja Osojnik Quartet" einen Querschnitt alter Volkslieder aus unterschiedlichen slowenischen Regionen, die vornehmlich vom Tod, vom Krieg oder von der Trennung der Liebenden erzählen. Die roten Wolken von "Oblaki so rdeči" etwa versinnbildlichen den Krieg; wie die jungen Männer in den Krieg ziehen müssen, was nichts Gutes für die Zukunft verheißt. Vom Tod handelt auch das Kärntner slowenische Volkslied "Rasti, rasti rožmarin": der Rosmarin wird auch dann weiter grün sein, wenn das Mädchen bereits gestorben ist.
Zwei Seiten
Maja Osojnik versteht sich nicht als traurigen Menschen, was auch bei der Präsentation der neuen CD durch ihrer Improvisation deutlich zum Ausdruck gekommen ist. Das Lachen hält sie zwar für das Wichtigste im Leben, aber sie trägt auch eine andere Seite in sich, sagt sie. "Tod, Melancholie, Traurigkeit ist auch etwas, was mich sehr stark prägt im Leben. Man kann daraus sehr viel schöpfen, fürs Leben und für die Kunst." Die oft zu hörende Feststellung, dass die Slowenen eine gewisse Melancholie generell in sich tragen würden, will Osojnik gar nicht verneinen. Dieser werde zwar nicht öffentlich ausgetragen, aber "im Herzen trägt schon ein jeder einen großes Stück davon mit".
Sehnsucht nach der Sprache
Dass sich die Sängerin für die musikalische Bearbeitung der alten slowenischen Volkslieder entschlossen hat, liegt nicht nur in der Entfernung zur Familie und zu ihrer Umgebung, wo sie aufgewachsen ist, vor allem auch in der Sehnsucht nach ihrer Sprache. "Ich habe es vermisst, mich auf meiner Sprache ausdrücken zu können", sagt Osojnik. Mit diesem Projekt hat sie sich die Sprache auf ihre Weise zurückgeholt: "Ich wollte einfach diese alten Lieder in meinen Lebensraum bringen", umschreibt Osojnik ihre Motivation. Mit ihrer eigenen musikalischen Sprache hat sie diese interpretiert, neu arrangiert und zum Teil auch komponiert.
Für sprachliche Vielfalt
Ein weiterer Grund für die Realisierung dieses musikalischen Projekts sei aber auch gewesen, einen Beitrag zum Austausch der Sprachen sowie zum Erhalt der sprachlichen Vielfalt zu leisten. Dies sieht Osojnik nämlich einerseits durch die Globalisierung, andererseits aufgrund mangelnder Toleranz in der Gesellschaft gefährdet. Dass sie in Wien vor 12 Jahren noch erklären musste, wo Slowenien liegt, überraschte sie damals genauso, wie etwa der Umgang Österreichs mit den Kärntner Slowenen heute. Sie habe das Gefühl, sagt sie, dass Österreich die Kärntner Slowenen so behandelt, als würden sie gar nicht zu diesem Staat gehören.
Vielseitige Musikerin
Ihre musikalische Zukunft sieht die vielseitige Musikerin in den unterschiedlichen Musikrichtungen, wie sie es auch schon bisher getan hat. Neben der Alten Musik, den Volkslieder, dem Jazz und freier Improvisation (Ensemble "Low Frequency Orchestra"), liebt sie auch härtere Musik, die sie mit ihrer Band Balkon ("Punk, Hardcore, Noise") macht. Maja Osojnik fasst ihre Vielseitigkeit etwa so zusammen: "Es ist zwar alles bis zu einem gewissen Grad getrennt, aber in bestimmten Teilen beginnt es sich dann doch zu vermischen. Was ich in Balkon verwende, verwende ich manchmal auch in slowenischen Volksliedern. Diese verrückten Auszucker, die ich habe."
CD "Oblaki so rdeči"
Maja Osojnik Quartet
arrangements of slovenian traditionals
"Oblaki so rdeči" (Die Wolken sind rot / The clouds are red)
JWR 02/06
Jazzwerkstatt records

Maja Osojnik Quartet:
Maja Osojnik – vocals & field recordings & soprano recorder
Philipp Jagschitz – piano & reed organ
Bernd Satzinger – double bass
Michael Prowaznik - drums
Tatjana Koren, volksgruppen.ORF.at