Gedenktafelenthüllung in Mörbisch am See

In Mörbisch am See wurde gestern eine Gedenktafel für die Opfer des Nationalsozialismus an der Ruster Straße | Ecke Seestraße aufgestellt. Die Realisierung habe etwa fünf Jahre Zeit in Anspruch genommen, so der Initiator Joachim Grössing, der evangelische Pfarrer der Gemeinde.

On demand | Roma sam | 30.1.2017

Die Enthüllung erfolgte durch den Bürgermeister Jürgen Marx.

Gedenktafelenthüllung Mörbisch

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Gedenktafelenthüllung Mörbisch

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Neue Formation-Samer David Trio

David Samer, Sohn des Romamusikers Hans Samer, trägt wohl das musikalische Talent seines Vaters in sich. Er spielt seit seiner Jugend leidenschaftlich gerne Gitarre. Anfang der 70 Jahre zogen seine Eltern nach Wien, wo er 1977 zur Welt kam. Aufgwewachsen ist er in der Bundeshauptstadt, dennoch zog es ihn in den Ferien immer zu seinen Verwandten im Burgenland. Vor einigen Jahren kehrte er nach Oberwart zurück. Dort beschliesst er, das Erbe seines Vaters weiter zu tragen, und gründet vor kurzem das David Samer Trio.

David Samer

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David Samer (rechts)

Der junge Musiker David Samer ist nun bei den Veranstaltungen der Roma ein gern gesehener Gast. Er trat gestern, am Sonntagnachmittag, bei der Gedenktafelenthüllung für die Opfer des Nationalsozialismus in Mörbisch auf.

Gedenktafelenthüllung in Mörbisch

In Mörbisch am See wurde die Gedenktafel im Ortszentrum an der Ruster Straße | Ecke Seestraße aufgestellt. Darauf sind die Namen von jüdischen und Roma-Mitbürgern/innen angeführt, die verschleppt und in den Konzentrationslagern ermordet wurden.

Gedenktafelenthüllung Mörbisch

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Die Aufstellung der Gedenktafel hat etwa fünf Jahre Zeit in Anspruch genommen, sagte der Initiator Joachim Grössing, der evangelische Pfarrer der Gemeinde Mörbisch.

Gedenktafelenthüllung Mörbisch

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Nach der Enthüllung folgten Gebete des evangelischen und katholischen Ortspfarrers, von Rami Langer der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und Manuela Horvath von der Roma-Pastoral .

Gedenktafelenthüllung Mörbisch

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Ausgewiesen, verhungert, verschleppt

Der Historiker Gerhard Baumgartner erläuterte bei seinem anschließenden Vortrag die Ereignisse von damals in der Gemeinde Mörbisch. Die so genannte Siedlung der Roma entstand in den 1900 Jahren. Damals wurden sie aufgrund der witschaflichen Krise im österreichischen Teil der Monarchie nach Ungarn ausgewiesen. In Mörbisch wurden die Roma dann als Arbeiter in der Landwirtschaft eingesezt.

Roma in Mörbisch

Landesarchiv Eisenstadt

Sie selbst haben jedoch keine Länder besessen und so konnten sie sich selbst nicht erhalten. In der großen Krise von 1930 stellten sie für die Gemeinden eine untragbare Last dar. Es ging etwa um 60 bis 70 Roma je nach Zählart, erläuterte Baumgartner.

Gedenkfeier am 5. Februar in Oberwart

Nächste Woche berichtet Roma sam über eine weitere Gedenkfeier, diesmal in Oberwart. Das Bomben Attentat, bei dem vier Roma ermordet wurden, jährt sich heuer zum 22. Mal. Stefan Horvath, der bei diesem Attentat seinen Sohn verlor, präsentiert am kommenden Samstag, den 4. Februar, sein neues Buch im OHO. „So gewaltig ist nichts wie die Angst. Texte aus zwei Jahrzehnten“ heißt sein jüngstes Werk.

Stefan Horvath | „So gewaltig ist nichts wie die Angst“