Volksgruppen ORF.at Radio 1476
Fr | 24.05.2013
Radio Kaktus
25.11.2005 20.00 Uhr
3.12.2005 20.30 Uhr
ORF Radio 1476
"Romane apsa" von Brejcha
Die Filmemacherin Zuzana Brejcha kam 1968 mit 15 Jahren aus der damaligen Tschechoslawakei nach Wien. Ihr Vater wollte seinen Kindern ein verlogenes Regime ersparen, wie sie heute erzählt. Als Kind des Direktors des tschechischen Filmarchivs wählte auch sie den Vaterberuf.

Die Filmemacherin Zuzana Brejcha kam 1968 mit 15 Jahren aus der damaligen Tschechoslawakei nach Wien. Ihr Vater wollte seinen Kindern ein verlogenes Regime ersparen, wie sie heute erzählt. Als Kind des Direktors des tschechischen Filmarchivs wählte auch sie den Vaterberuf. Brejcha studierte Drehbuch, Dramaturgie und Schnitt an der Wiener Filmakademie. Ihr Film „Romane apsa“, zu Deutsch “Tränen der Roma" ist heute Abend das Diskussionsthema in der Waldviertelakademie
Über einen Kollegen wurde sie animiert, das Leben der Roma in Tschechien und der Slowakei zu recherchieren. Sie stieß auf die Roma-Siedlung in der Nähe von Brešov in der Ost-Slowakei. Dort lernte Brejcha die Familie Horvath kennen und dadurch fassten die Roma zu ihr Vertrauen, erzählt Brejcha. Sie drehte dann über ein Jahr lang in der Siedlung. Ihr zweistündiger Film ist sehr facettenreich. Die Außenfaktoren, die das Leben der Roma negativ beeinflussen, und aber auch das Innenleben der Volksgruppe werden in "Romane apsa" ungefärbt wiedergegeben.
Über die Zahl der Siedlungsbewohner gibt es keine Unterlagen. Viele Roma geben ihre Zugehörigkeit aus Angst nicht an. Nach den Eigenschätzungen der Roma leben dort 700 bis 800 Siedlungsbewohner.
Sackgasse Ausbildung
Das auffallendste Problem ist die schulische Situation der Kinder. Am Schulbeginn muss nach dem slowakischen Schulsystem jedes Kind einen Eignungstest ablegen. Dieser Test wird in Slowakisch durchgeführt und es gibt keine Lehrkraft in der Muttersprache der Roma. Viele Roma-Kinder sprechen aber bis zum Schulantritt nur Romanes in der Familie. Die Testergebnisse sind dann negativ und die Roma-Kinder werden in der Regel in Sonderschule geschickt, berichtet Zuzana Brejcha. Eine Sackgasse für viele.
Lösungen gäbe es, wenn man sich ein wenig für die Volksgruppe einsetzen würde. Eine Vorschule, in der die Kinder aus den Roma-Familien die Schulsprache Slowakisch lernen und sozialisiert werden könnten, wäre ein richtiger Ansatz dafür. Vor allem sollte die öffentliche Hand im Kindergartenwesen mehr investieren und muttersprachliche BetreuerInnen einsetzten. Die Familien würden ihre Kinder gerne in den Kindergarten schicken, weil sie dort zumindest ein Mittagessen bekommen, wenn es auch kostenpflichtig wäre. Es sei aber auch für die finanziell schwachen Roma-Eltern leistbar. Pro Familie wird aber nur ein Kind im Kindergarten aufgenommen.
In der Gegend herrscht enorm hohe Arbeitslosigkeit. Inoffizielle Zahlen berichten von etwa 40%, sagt Brejcha. Auch die Leute mit Ausbildung verlassen den Ort, ziehen in die Stadt.
Fast Eigenfinanzierung
Für den Film gewährte die Sektion Kunst im Bundeskanzleramt ein Anfangskapital. Die Fertigstellung ermöglichte der Wiener Filmfonds. Für die weiteren Kosten in der Höhe von etwa 20.000 Euro musste Zuzana Brejcha selbst aufkommen. Aus zeitlichen Gründen kann heute das gesamte Interview mit ihr nicht gesendet werden. In der nächsten Sendung wird dann über die Innen-Verhältnisse der Roma in dieser ost-slowakischen Siedlung berichtet. Wie die Roma mit dem Geld umgehen, über die Ehe und Erbkrankeinheiten und die Projekte, die bei den Betroffenen nicht ankommen.
Nachmittagsmatinee "Prike amende"
Die Redaktion Volksgruppenprogramme Radio 1476 organisierte eine Nachmittagsmatinee "Prike amende – Über uns" mit den zwei Roma-Filmen "Seelen Suchen" und "Die Charly und Peppi-Show". Diese Filme wurden Anfang 2005 zum 10. Jahrestag des rassistischen Bombenattentates auf vier Roma in Oberwart gezeigt. BesucherInnen im vollen ORF KulturCafe zeigten großes Interesse am Thema "Erinnerungsarbeit". Nach der Vorführung des ersten Filmes "Seelen Suchen" diskutierten Obrad Jovanović, Regisseur und Koloman Polak, Komponist, mit dem Kurator der Roma-Wochen "Amen dschijas" Peter Wagner.
Ein wichtiger Teil der Diskussion betraf das Verhältnis zwischen den autochtonen Roma und den Migranten-Roma. Koloman Polak sieht das Volksgruppengesetz als ein großes Hindernis für die Zusammenarbeit der Roma untereinander, da das Gesetz die Migranten-Roma, wenn sie auch lange Jahre hier sind, nicht als einen Teil der Volksgruppe anerkennt. Er verlangt die Änderung des Volksgruppengesetztes. Polak bekam die Unterstützung von Obrad Jovanović. Er meint, dass die Volksgruppendefinition die Roma voneinander entfernt und eine höhere Spaltung verursacht. Weiterhin kritisierte er das noch vorhandene Stammesdenken innerhalb der Roma. Jovanović kündigte die Gründung eines Dachverbandes an.
Kinder-Bibel in Roman vollständig
Der Roma-Service präsentierte vergangenen Samstag in Kofidisch die vollständige Kinder-Bibel in der Muttersprache, in Burgenland-Roman. Monika Scheweck, Referat für ethnische Gruppen der Erzdiözese in Eisenstadt, wirkte bei der Gestaltung der Bibel gemeinsam mit den Roma und ReligionslehrerInnen mit. Die Idee kam vom Emmerich Gärtner-Horvath vom Roma-Service.