Paris würdigt Roma-Künstlerin Ceija Stojka

Ein Holzkarren, in dem menschliche Körper aufeinanderliegen; nackte Männer und Frauen, ihre Geschlechtsteile mit ihren Händen verbergend. Die Bilder hat Ceija Stojka 40 Jahre nach dem Grauen in den Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau, Ravensbrück und Bergen-Belsen gemalt. Bis zu ihrem Tod 2013 hat die österreichische Romni rund 1.000 Werke geschaffen. Mehr als 150 sind nun in Paris zu sehen.

Ceija Stojka mit einem ihrer Bilder
SN/APA (epa)/RAINER JENSEN
Künstlerin Ceija Stojka

Unter dem Titel „Une artiste rom dans le siècle“ (etwa: Eine Rom-Künstlerin in ihrem Jahrhundert) zeigt die Kunststiftung „La Maison Rouge“ nahe der Opera Bastille eine Retrospektive der Künstlerin, die mit ihren Büchern und Bildern versucht hat, nicht nur das Unbeschreibliche zu verarbeiten. Sie sah ihr Werk auch als Mahnung vor dem wiederauflebenden Nationalismus.

Bild - Lager Bergen Belsen
Ceija Stojka

Das Gräuel und Leiden hat Stojka direkt und schematisch umgesetzt: nackte Figuren hinter Stacheldraht, verschreckte Gestalten, auf die Soldaten schießen, Körper, die von Flammen verschlungen werden. Ihre Malerei schwankt zwischen naiver und abstrakter Kunst. „Zum Krematorium“ und „Tot, undatiert“ sind Tuschearbeiten aus dem Jahr 2003, die nur noch aus schwarzen Linien bestehen. Die bis zum 20. Mai ausgestellten Exponate stammen aus Privatsammlungen und den Beständen des Wien Museums.

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Stojka

Ab Februar 1943 wurden etwa 23.000 Sinti und Roma ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau transportiert; im Juli waren nur noch etwa 6.000 von ihnen am Leben. Einen Monat später wurden die noch arbeitsfähigen nach Buchenwald und Ravensbrück gebracht, die anderen wurden in Gaskammern ermordet. Zwischen 220.000 und 500.000 Sinti und Roma wurden Schätzungen zufolge im nationalsozialistisch besetzten Europa und den mit Hitler-Deutschland verbündeten Staaten ermordet.

Bild Ceija Stojka
Ceija Stojka

Der französischen Öffentlichkeit ist der Völkermord an den Sinti und Roma weitgehend unbekannt. Wie Marchand meint, wüssten nur rund drei Prozent der Franzosen darüber Bescheid. Die Werkschau sei deshalb nicht nur künstlerisch bedeutend. In Frankreich wurden ab Oktober 1940 unter anderem in der unbesetzten Südzone, die vom Vichy-Regime kontrolliert wurde, Tausende Sinti und Roma in mehr als 25 Lager gebracht.

Quelle: APA