Politisierungen von Kunst | Perspektiven und Widerstände

Den Umgang mit Geschichte und Erinnerungskultur in Österreich zu hinterfragen und auf den ungebrochenen Rassismus gegen Roma hinzuweisen. Das ist der andauernde Aufschrei der Künstlerin Marika Schmiedt.

On demand | Roma sam | 12.2.2018

Marika Schmiedt Workshop | Integration Nein danke!
ORF | Strujic

Roma sam | 12.2.2018
20:50 - 21:10 | Radio Burgenland
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In den Tagen vor dem Gedenken an die Befreiung Auschwitz präsentierte Schmiedt, Nachkommin von Holocaust Opfern, auf Papier gebrachte Ergebnisse von ihrem Workshop „Integration Nein danke!“.

Schmiedt bringt die Festung der Arroganz ins Wanken

„Politisierungen von Kunst | Perspektiven und Widerstände“. Eine Plakatserie, deren Manifest über die freimütigen Räume in der Akademie der bildenden Künste leicht in die Welt zu dringen scheint. Doch die Botschaften verhallen oft schnell in den prüden und drückenden Mauern der Gesellschaft, weiß Marika Schmiedt. Mit ihrem Workshop „Integration Nein danke!“ bringt sie gemeinsam mit 12 Studierenden der Akademie die Festung der Arroganz ins Wanken.

Workshop "Integration Nein danke!" | Grace Marta Latigo
ORF | Yvonne Strujic
Grace Marta Latigo

Eine von ihnen ist Grace Marta Latigo: „Ich finde es wichtig, gewaltfrei und im künstlerichschen Sinne, auf manche Dinge aufmerksam zu machen. Wie zum Beispiel intelektueller Rassimus, Provokation, oder mein Projekt ‚Spucken in der VBKÖ (Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs)‘. Von dort aus sind jüdische Künstlerinnen deportiert worden. Von diesen ist nichts mehr übriggeblieben, ihre Kolleginnen haben sie deportieren lassen. Das ist eine Antwort auf ihre Missgeschicke.“

Historiker Molden | Gewalt gegen jene, die sich nicht anpassen

Das unsagbare Leiden und die Ausgrenzung der Roma Volksgruppe gehören auch diesmal zum rauhen Klang des Aufschreis Marika Schmiedts, mit Hoffnung auf sensiblen Wiederhall. Zum Thema und zur Vernissage der Ausstellung „Integration Nein danke!“ hielt der Historiker Berthold Molden einen Vortrag in der Akademie der bildenden Künste. „Die Herausforderungen im Umgang mit dem Begriff Integration sind stets neu zu hinterfragen“, so Molden.

Marika Schmiedt Workshop | Integration Nein danke!
ORF | Strujic

„Es sind historisch, nationalistische Erzählungen, die diese Gruppe mit negativen Stereotyppen versehen, die auch naturalisieren auf eine Art, dass sie am Rand der Gesellschaft leben. Es kann nicht sein, dass sich die Gesellschaft an ein Bild einer Gesellschaft anpasst, das es eigentlich gar nicht gibt. Sondern dass man die Gesellschaft nach der Wirklichkeit ausrichtet und nicht versucht, eine solche zu kreieren, die man letztlich wie die Geschichte gezeigt hat, nur mit Gewalt wieder hinzukriegen versucht. Es gab immer Gewalt gegen jene, die scheinbar nicht dazupassen. Letztlich gelingt es so sowieso nicht. Keine Anpassungszwänge haben jemals zu etwas geführt“, unterstreicht der Historiker Berthold Molden.

Conviviality | Geselliges Zusammenleben statt Integration

Marina Gržinić ist Lehrende an der Akademie der bildenden Künste und Workshopteilnehmerin. Sie meint, dass es eine Alternative zu Integration gibt: nämlich ein geselliges und gastliches Zusammenleben:

"Ich denke, jeder will integriert werden. Aber das Problem dieser Integration ist, dass sie sehr unterdrückend ist. Ein neues Wort wäre vielleicht ‚conviviality‘, statt Integration. Jeder möchte gut zusammenleben. Rechte Ideologisten trennen alle Menschen und sagen, dass diese besser und jene schlechter sind. Roma möchten mit uns leben und wir mit ihnen.

Marina Grzinic | Workshop "Integration Nein danke!"
ORF | Yvonne Strujic
Marina Gržinić

Conviviality | Geselliges und gastliches Zusammenleben ist das schöne Wort, das wir brauchen. Der großartige britische Professor Paul Gilroy hat es auch schon erwähnt. Wir sagen, gemeinsam mit Marika ‚Integration Nein danke!‘ Man muss kein Teil von etwas sein, um zusammen gut leben zu können".

„Homogene Gesellschaft ist eine Illusion“

"Das Stereotyp ist historisch gewachsen und bekäftigt sich aber immer wieder selbst und wird stets mit neuer Kraft durch die sozioökonomische Ausgrenzung gefüllt. Es gibt schwer einen Ausweg daraus. Man sagt immer, wenn sie tüchtig sind, anständig, wird’s schon was. So als gäbe es die sozioökonomischen Rahmenbedingungen nicht, die es für viele Menschen unmöglich machen, sich sozioökonomisch zu verbessern.

Es muss ein Miteinander von unterschiedlichen Menschen geben, weil sowieso alle unterschiedlich sind. Man muss einsehen, dass die Illusion einer homogenen Gesellschaft eben eine Illusion ist", so der Historiker Molden.

Yvonne Strujić | ORF Volksgruppenredaktion

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