Holocaust-Überlebende erhalten Ute-Bock-Preis für Zivilcourage

Der von SOS Mitmensch ins Leben gerufene Ute-Bock-Preis für Zivilcourage wird heuer an zwei Holocaust-Überlebende vergeben. Helga Feldner-Busztin und Rudolf Gelbard werden für ihren unermüdlichen Einsatz für die Aufklärung über die Nazizeit ausgezeichnet.

Der mit 7.000 Euro dotierte Preis wird am 21. Jänner im Rahmen der 25-Jahr-Matinee von SOS Mitmensch im ausverkauften Wiener Burgtheater überreicht. Die Laudatio hält der Autor Doron Rabinovici.

Die Namenspatronin des Preises Ute Bock hat heute, am 19.Jänner 2018 unerwartet, nach kurzer schwerer Krankheit, ihr Leben lassen müssen. Bis zur letzten Sekunde habe sich ihr ganzes Denken und Handeln um das Wohlergehen geflüchteter Menschen gedreht, hieß es in einer Aussendung des Ute-Bock-Vereins. Der Erfüllung ihres größten Wunsches, eines Tages überflüssig zu werden, sei man gerade in Zeiten wie diesen ferner denn je. „Tugenden wie Zivilcourage, Solidarität und Menschlichkeit hat uns Frau Bock zeit ihres Lebens gelehrt“, so der Verein weiter in der heutigen Aussendung.

Ute Bock vor SOS-Mitmensch-Plakat
Herbert Pfarrhofer / APA / picturedesk.com

Ute-Bock-Preis und bisherige PreisträgerInnen

Der Ute-Bock-Preis für Zivilcourage wurde 1999 von SOS Mitmensch ins Leben gerufen, um überdurchschnittliche Zivilcourage auszuzeichnen und mutigen Personen und Initiativen Rückhalt zu geben. Die erste Preisträgerin war die Flüchtlingshelferin Ute Bock, ihr folgten Gertrude Hennefeld, Vinzipfarrer Wolfgang Pucher, der Sozialarbeiter Bülent Öztöplu, die Plattform Gerechtigkeit für Seibane Wague, LEFÖ, Ehe ohne Grenzen, die Bleiberechtsplattform Oberösterreich, Elias Bierdel, fünf junge Anti-AbschiebeaktivistInnen, der Polizist Uwe Sailer, die Refugees in der Votivkirche, Siegfried Stupnig, die Initiative „Flucht nach vorn“, die Bürgermeisterin Angelika Schwarzmann und die Initiative „Refugee-Convoy“.

Kämpfer/innen für Geschichtsaufklärung

Die 1929 geborene Helga Feldner-Busztin und der 1930 geborene Rudolf Gelbard gehören zu den letzten noch lebenden ZeitzeugInnen des Holocaust. Feldner-Busztin musste als Kind in Wien den „Judenstern“ tragen. Später wurde sie mit ihrer Mutter und ihrer Schwester in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Auch Gelbard wurde im Alter von 12 Jahren von den Nazis in das KZ Theresienstadt deportiert. Neunzehn Mitglieder seiner Familie wurden während der Nazizeit ermordet. Feldner-Busztin und Gelbard überlebten den Holocaust. Beide setzen sich an Schulen und in Vorträgen seit vielen Jahren unermüdlich für Geschichtsaufklärung ein. Nach der Nationalratswahl im Oktober riefen beide in Videobotschaften dazu auf, keine Rechtsextremen in die österreichische Bundesregierung zu holen. Ihre Videobotschaften wurden auf Facebook insgesamt mehr als 200.000 Mal abgerufen.

Mutige Vorbilder in einer von Rechtsruck geprägten Zeit

„Helga Feldner-Busztin und Rudolf Gelbard sind in unserer Gesellschaft wichtige Vorbilder. Sie stehen stellvertretend für jene ZeugInnen der NS-Zeit, die die Energie und die Courage aufgebracht haben, gegen das Verdrängen und das Vergessen anzukämpfen. Mit ihrer Aufklärungsarbeit an Schulen und in Vorträgen haben sie mit dazu beigetragen, dass es im heutigen Österreich Menschen gibt, die historische Zusammenhänge kennen und die über das Entstehen und die schrecklichen Folgen von massivem Unrecht Bescheid wissen. Feldner-Busztin und Gelbard sind aber auch mahnende Stimmen gegenüber einer Politik, die zunehmend von rückwärtsgewandten, populistischen und teilweise sogar rechtsextremen Strömungen beeinflusst wird“, so Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch.

Laudatio von Doron Rabinovici

Die Preisrede im Burgtheater hält der Autor Doron Rabinovici. Der Zivilcourage-Preis wird von SOS Mitmensch-Obmann Max Koch überreicht. Der Preis ist heuer mit 7.000 Euro dotiert. SOS Mitmensch dankt den großzügigen SpenderInnen, die die Preisdotierung ermöglicht haben.

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Ute Bock verstorben
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