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Mo | 13.02.2012
Timea Junghaus.(Bild:ORF)
Junghaus erhält Romakulturpreis
Für ihren Einsatz für die Kultur der Roma hat die ungarische Kunsthistorikerin Timea Junghaus heute in Hamburg den "Kairos - Europäischer Kulturpreis" der Alfred Toepfer Stiftung erhalten.
Der Kulturpreis für Roma ist mit 75 000 Euro dotiert.
Zeitgenösische Romakunst ohne Klischees
"Mit großem persönlichen Einsatz findet Frau Junghaus als Kunsthistorikerin, Kuratorin und Kulturaktivistin immer wieder Wege, vor allem die zeitgenössische bildende Kunst der europäischen Roma jenseits bestehender Klischees zu erschließen", hieß es in der Begründung der Jury.

Die 32-Jährige kuratierte unter anderem 2007 den ersten Roma-Pavillon "Paradise Lost" auf der 52. Kunstbiennale in Venedig.
Größte ethnische Minderheit Europas
Seit 2005 leitet Junghaus das Roma Cultural Participation Project am Budapester Open Society Institut, das vom ungarisch-amerikanischen Milliardär George Soros gegründet wurde und sich für die Wertschätzung kultureller Minderheiten engagiert.

Mit grob geschätzten zehn Millionen Angehörigen bilden Sinti und Roma die größte ethnische Minorität Europas.
Ziel ist friedliche Koexistenz
Nach allen Verfolgungen, die ihren grausigen Höhepunkt in der Ermordung von rund einer halben Million Roma durch die Nazis fanden, kämpfen die Mitglieder dieser weit verstreuten Ethnie seit einigen Jahrzehnten auch in Vereinigungen verstärkt um Anerkennung ihrer Kultur und eigenen Identität.

"Unser Ziel ist friedliche Koexistenz. Viele wünschen sich menschenwürdige Lebensbedingungen, brauchen aber auch finanzielle Unterstützung", sagte Junghaus.
Merkmale der Roma-Kultur
Ein Merkmal der ursprünglichen Roma-Kultur sind hierarchisch gegliederte Großfamilien. Männer haben das Sagen, Frauen hingegen gelten als Trägerinnen von Schönheit und Weisheit.

In ihrer Religion - je nach Umfeld muslimisch oder christlich - pflegen die Menschen auch Elemente älterer Glaubensrichtungen: So verbindet alle der Mythos von der indischen Göttin Kali. Zahlreiche Mitglieder sprechen immer noch die lange schriftlose Sprache Romani und sind daher Analphabeten.
Pflege der traditionellen Lebensweise
Eine Assimilation in ihren jeweiligen Ländern wollen die meisten Roma, deren Vorfahren vor allem im 11. und 12. Jahrhundert aus Indien nach Europa kamen, jedoch nicht.

"Wir möchten unsere Lebensweise und unsere Traditionen nicht aufgeben", sagte die Wissenschaftlerin. Dennoch polarisierten sich die politischen Ziele heute: Roma und Sinti, die in Wohnwagen umherziehen oder in eigenen Siedlungen leben, seien konservativer als urbane Mitglieder wie sie, die das Erbe mit dem Zeitgemäßen zu verbinden wüssten.