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Sa | 21.11.2009
Stjepan Mesić - Bild: APA
Ustascha-Staat: Mesić entschuldigt sich
Der kroatische Präsident Stjepan Mesić hat sich für seine Rede im Jahr 1992 entschuldigt, bei denen er den kroatischen Ustascha-Staat verherrlicht hat.
"Gut, ich entschuldige mich direkt bei allen, die antifaschistische Positionen einnehmen, und die vielleicht dachten, dass ich meinen politischen Standpunkt geändert und meine tiefsten Überzeugungen verkauft und getreten habe", sagte Mesić im Interview für das kroatische Wochenmagazin "Feral Tribune" nach dem Insistieren des Interviewers, sich öffentlich zu entschuldigen.
Argument des Kontextes
"Ich habe mein Bedauern ausgedrückt und denke, dass das eine Entschuldigung ist", sagte Mesić. Der Präsident rechtfertigte sich erneut mit dem Argument des "Kontextes" und der Zeit, zu der er die Rede im Jahr 1992 in Australien hielt. Diese Äußerungen seien ein "kleiner Kompromiss gegenüber dem schärfsten Publikum" gewesen. Viele kroatische Faschisten und Ustascha-Kämpfer flüchteten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Australien.
Rede aus 1992
Das Internet-Portal "Index" hatte vergangenen Sonntag die Rede von Mesić aus dem Jahr 1992 veröffentlicht. "Wir haben am 10. April gewonnen", sagte Mesić demnach, "als die Achsenmächte Kroatien als Staat anerkannt haben und wir haben nach dem Krieg gewonnen, weil wir wieder mit den Siegern am Siegertisch saßen". Der erste Punkt der Aussage bezog sich auf den 10. April 1941, an dem der faschistische "Unabhängige Staat Kroatien" (Nezavisna Država Hrvatska) offiziell gegründet wurde.
KZ Jasenovac
Weiter berichtete "Index", dass Mesić erklärt habe, dass von den Kroaten verlangt werde, "vor Jasenovac niederzuknien". Seine Antwort: "Wir haben vor niemanden zu knien". Das rund 100 Kilometer südöstlich von Zagreb gelegene KZ Jasenovac wurde Mitte 1941 von der Ustascha errichtet. Jasenovac galt als größtes Vernichtungslager auf dem Balkan während des Zweiten Weltkriegs. In Jasenovac wurden zwischen 1941 und 1945 bis zu einigen hunderttausend Menschen - vor allem Serben, Roma und Juden sowie kroatische Anti-Faschisten - ermordet.
Ustascha-Bewegung
Die 1929 von Ante Pavelić gegründete Ustascha-Bewegung herrschte von 1941 bis 1945 als Handlangerin des deutschen Nazi-Regimes. Während der vierjährige Terrorherrschaft wurden Gräueltaten und Massenmorde vor allem an Serben in Kroatien und Bosnien-Herzegowina begangen. Der faschistische Ideologe Mile Budak, der auch Stellvertreter von Ustascha-Führer Pavelic war, hatte damals die "Formel" ausgegeben, "ein Drittel der Serben zu töten, ein Drittel zu vertreiben und ein Drittel zu konvertieren".
Mesić war letzter Präsident Ex-Jugoslawiens. Zu Beginn der Unabhängigkeitsbestrebungen in Kroatien war er Mitglied der nationalistischen HDZ (Hrvatska Demokratska Stranke/Kroatische Demokratische Gemeinschaft), die vom ersten Präsidenten Kroatiens, Franjo Tudjman, gegründet worden war. Später überwarf sich Mesić mit Tudjman. Nach dessen Tod im Dezember 1999 wurde er als Kandidat der bürgerlich-liberalen Volkspartei (HNS) Anfang 2000 selbst zum Staatsoberhaupt gewählt.