10. Baranka Park Gedenkfeier - 20.5.2018

Die Baranka Park Gedenkfeier wird nunmehr seit 10 Jahren vom Verein Voice of Diversity veranstaltet, um der Roma und Sinti zu gedenken, die Opfer des Nationalsozialismus wurden.

Mit der Feier soll der Opfer gedacht werden und auch das Leben und die Kultur der Roma und Sinti sowie der jüdischen und Wiener Kultur gefeiert und vermittelt werden. Namhafte Künstler wie Harri Stojka, Ernst Molden, Roman Grinberg oder Moša Šišic präsentieren ihre Kunst und Kultur und schaffen auf der ehemaligen Hellerwiese (heute Belgradplatz mit Baranka Park im 10. Wiener Gemeindebezirk), wo einst die Roma und Sinti Familien in ihren Wohnwägen lebten, einen Ort der kulturellen Begegnung, um ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen.

Hellerwiese 1940

Göttlicher Bezirksmuseum Simmering

10. Baranka Park Gedenkfeier

Sonntag, 20. Mai 2018, 17.00-22.00, Belgradplatz, 1100 Wien

Rastplatz der Roma & Sinti

Seit dem 18. Jahrhundert war die Hellerwiese Lager- und Rastplatz der Roma (aus dem Stamm der Lovara) und Sinti, die ihre Teppiche, Stoffe und Pferde bis in den Grazer Raum handelten. Die fahrenden Händler lebten mit ihren Wohnwägen auf der Wiese in unmittelbarer Nähe zur Schokoladen-Fabrik Heller. Der Austausch mit den Nachbarn war freundschaftlich und von gegenseitigem Respekt, bis 1940 das NS-Regime auf die Roma- und Sinti-Familien aufmerksam wurde. Das Gelände wurde zunächst eingezäunt und stand unter Beobachtung. Im Jahr 1941 verschleppte die Gestapo schließlich blindwütig und gnadenlos alle auf der Wiese lebenden Menschen in Konzentrationslager.

Harri Stojka

Dietmar Lipkovich

Programm:

  • 17.00 Uhr - Auftakt: Zum Auftakt des Festes stehen mit dem Odeon Ensemble der Musikschule Favoriten musikalische Projekte der Kinder und Jugendlichen auf dem Programm, die die Feier zu einem Fest der Generationen und der Zukunft machen.
  • 18.30 Uhr - Doris Stojka & Harri Stojka: Doris Stojka liest aus dem Buch „Papierene Kinder“ von ihrem Vater Mongo Stojka, der das Konzentrationslager als Kind überlebt hatte und später seine Erinnerungen in diesem Buch festhielt. Bruder Harri Stojka begleitet die Lesung mit Musik.
  • 19.00 Uhr: Roman Grinberg & Klezmer Trio: Roman Grinberg, Sasha Danilov und Igor Pilyavskiy sind seit vielen Jahren ein unzertrennliches Trio. Alle drei stammen aus Osteuropa und haben Wien zu ihrer neuen Heimat gemacht.
  • 20.00 Uhr: Ernst Molden: Seit 1993 arbeitet Ernst Molden als Musiker und Schriftsteller. Als Musiker hat sich Ernst Molden dem Wiener Lied verschrieben und veröffentlichte dazu 7 Alben mit seiner Band.
  • 21.00 Uhr: Harri Stojka feat. Moša Šišic: Der international bekannte Roma Gitarrist Harri Stojka wendet sich seinen „Wurzeln“ zu. Wobei in diesem Fall “Wurzeln” eigentlich „Straßen“ bedeutet – jene, denen seine nomadischen Vorfahren über Jahrhunderte zwischen Asien und Europa gefolgt sind. Mit Special guest: Moša Šišic
Gedenkfeier im Baranka-Park in Wien

ORF

Zeitzeuge Mongo Stojka

Johann „Mongo“ Stojka, der als Kind mit seiner Familie selbst auf der Wiese gelebt hatte, war einer der ganz wenigen, die das Konzentrationslager überlebten. Sein Vater erkannte die Gefahr durch die Nazis frühzeitig und übersiedelte die achtköpfige Familie nach Ottakring nahe dem Kongressbad. Die Räder des Wohnwagens montierte der Vater kurzerhand ab und machte aus dem mobilen Heim ein kleines Holzhaus mit festem Standort. Doch 1943 wurde auch die Familie Stojka von der Gestapo ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert und erlebte Schreckliches. Mit Hilfe seines Sohnes, dem international bekannten Gitarren-Virtuosen Harri Stojka, begann er schließlich, die Geschichte dieses historischen Ortes, die auch seine eigene war, aufzuarbeiten und öffentlich zu machen.

„Papierene Kinder“

In seinem Buch „Papierene Kinder“, das im Jahr 2000 bei Molden erschienen ist, hat Mongo Stojka seine Erinnerungen an die Familie auf der Hellerwiese, die den Roma und Sinti als Lagerplatz so lange ein zu Hause war, festgehalten und versucht, den blanken Horror, der folgte, zu benennen.

Baranka-Park benannt nach Helene Huber

Mit der Unterstützung des „Kulturraum 10" gelang es Mongo Stojka 1999 eine Gedenktafel in dem heutigen Park zu errichten und einen roten Kastanienbaum, dem damaligen Lieblingsbaum der Lovarafamilien, zu pflanzen. Im Jahr 2003 wurde der Park schließlich nach der angesehenen Naturheilerin Helene „Baranka“ Huber - Großmutter von Mongo Stojka und Stammes-Oberste - in Baranka Park umbenannt.

Gedenken im Baranka Park

Seit 2009 organisiert der Verein Voice of Diversity die jährliche Baranka Park Gedenkfeier, um die unermüdliche Aufklärungsarbeit und Bewusstseinsbildung von Mongo Stojka, der im März 2014 verstorben ist, weiter zu führen.

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