„Kauft bei Juden!“ - bis 19.11.2017

Weshalb besitzt Wien kein Printemps, Harrods oder Rinascente? Die Tradition der legendären Warenhäuser gab es auch in der Donaumonarchie mit vergessenen Institutionen wie dem Rothberger oder der Maison Zwieback.

Da die Kaufhausdynastien jedoch stark jüdisch geprägt waren, wurden diese von den Nazis in der Schoah eliminiert, galt das Klischee des „Warenhaus-Juden“ doch als ein Feindbild. Das Jüdische Museum Wien widmet dieser Epoche nun unter dem provokanten Titel „Kauft bei Juden!“ eine eigene Ausstellung.

„Kauft bei Juden"!" Geschichte einer Wiener Geschäftskultur“

Jüdisches Museum, Dorotheergasse 11, 1010 Wien; Ausstellungsdauer: bis 19.11.2017

Existenz der großen Kaufhäuser endete mit Schoah

„Die Tatsache, dass heute kein einziges dieser großen Kaufhäuser mit Ausnahme des Gerngross existiert, hat seine Wurzeln in der Schoah“, stellte bei der Präsentation Kuratorin Astrid Peterle klar. Nach dem „Anschluss“ wurden die Unternehmen sehr schnell arisiert - was auch nach dem Zweiten Weltkrieg nur teilweise rückgängig gemacht wurde. „Die Restitution fiel mager aus“, unterstrich Direktorin Danielle Spera unter Verweis auf die Familie Zirner (die Erben der exzentrischen Ella Zirner-Zwieback) oder die Familie Rothberger.

Vom luxuriösen Maison Zwieback bis Kaufhaus Dichter

Die Ausstellung bildet dabei das Thema in seiner Breite ab, von der luxuriösen Maison Zwieback in der Kärntner Straße bis zum Kaufhaus Dichter in Ottakring für den kleineren Geldbeutel. So fanden sich etwa im Rothberger gegenüber dem Stephansdom die ersten elektrischen Aufzüge oder Rolltreppen der Stadt. „Heute ist von dieser Pracht nur mehr das Looshaus über“, verwies Spera auf das einstmalige Goldman & Salatsch. Stilistisch orientiert man sich bei der Ausstellungsarchitektur an den aufwendigen Ladenfronten und hat die Schaukästen in kleine Schaufenster verwandelt.

Kaufhausdynastien als Migrationsgeschichte

Dabei sei das Entstehen der Kaufhausdynastien auch eine erfolgreiche Migrationsgeschichte, betonte Peterle: „Ein Großteil der Unternehmer wurde nicht in Wien geboren, sondern ist aus Deutschland oder den anderen Teilen der Monarchie zugewandert.“ Zugleich geht der Fokus der Schau über die jüdische Geschichte der Häuser hinaus und zeichnet auch die Architektur und Inszenierung der Standorte nach.

„Neues Selbstverständnis für Frauen“ entstanden

Unter der Kapitelüberschrift „Zutritt nur für Personal“ wird die neue Berufswelt beleuchtet, die durch die neuen Kaufhäuser entstand, gehörten diese doch zu den wenigen Orten, an denen sich Frauen unbehelligt alleine aufhalten konnten. Auch entwickelte sich mit der Verkäuferin ein neuer Berufsstand für Frauen. „Damals ist ein neues Selbstverständnis für Frauen ist entstanden“, so Spera.

Geschäftskultur „unwiederbringlich verloren“

Erhalten ist von dieser Warenhaus-Geschichte heute nur mehr wenig. „Die hier repräsentierte Geschäftskultur ist unwiederbringlich verloren“, bedauerte Peterle. Namen wie Rothberger, Braun & Co, Goldman & Salatsch oder Knize sind heute nicht nur aus dem Stadtbild, sondern auch dem Gedächtnis nahezu verschwunden. Aber vielleicht ermöglicht die aktuelle Schau einen etwas anderen Blick beim Gang durch die Einkaufsstraßen Wiens.

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