Volksgruppen ORF.at Diversität
Mo | 13.02.2012
Neuer
Muslimen-Verein
IIDZ: Tausende Muslime "im Getto"
Vor allem Missstände aufzeigen will das vor Kurzem ins Leben gerufene Islamische Informations- und Dokumentationszentrum Österreich (IIDZ) mit Sitz im oberösterreichischen Traun.
Kritik an IGGIÖ
Dies teilte heute dessen Generalsekretär Günther Ahmed Rusznak in Wien mit. Bei der Pressekonferenz übte er heftige Kritik an der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGIÖ). Das als "Vorzeigemodell" beschriebene Verhältnis der IGGIÖ zur Regierung bezeichnete Rusznak als "Potemkinsche Täuschungskunst".
Vereinbarkeit des Islam mit europäischen Werten
Ursprünglich habe man sich eines Baumpflanzungsprojektes im Gaza-Streifen annehmen wollen, in den kommenden Monaten würden sich die rund 120 Mitarbeiter des Vereins jedoch den Hinweisen auf Missstände und Klagen von Muslime aus Oberösterreich widmen, erklärte der IIDZ-Generalsekretär. Sein Verein wolle "Sammelbecken für alle sein, die einen liberalen und weltoffenen Islam leben und fördern wollen". Ziel sei es, die Vereinbarkeit des Islam mit europäischen Werten aufzuzeigen. Dabei will sich die Organisation nicht nur in Oberösterreich, sondern Österreich-weit engagieren.
"Dorf-Imame aus dem tiefen Anatolien"
Als wichtige Forderung der IIDZ nannte Rusznak, eine bundeseinheitliche Ausbildung für islamische Religionslehrer, um die Qualität des Unterrichts zu sichern. Vor allem verlangte er gute Deutschkenntnisse für die Lehrer aber auch für die Imame, die seiner Ansicht nach die Freitags-Predigten ausnahmslos auf Deutsch halten sollten. Rusznak führte einen Fall an, wo ein Schulkind für einen Islam-Lehrer habe dolmetschen müssen und sprach von "Dorf-Imamen aus dem tiefen Anatolien" in Österreich, "die kaum Deutsch sprechen".
Kritik an System der Religionslehrer
Dass zuweilen "falsch" und "nicht verstehbar" unterrichtet werde, lastete Rusznak der IGGIÖ an, bei der er seit deren Gründung vor mehr als 25 Jahren Versäumnisse ortete. Der Generalsekretär kritisierte das System in Österreich, wo die IGGIÖ die Religionslehrer stelle und diese aber vom Staat bezahlt würden. Laut Rusznak müssen die Lehrer nämlich "eine Art Zwangsabgabe" an die Glaubens-gemeinschaft bezahlen. Ruzsnak sieht darin einen "klaren Rechtsbruch": Die Islamische Glaubensgemeinschaft gehöre auf europäischen Normen basierend reformiert und demokratisiert.
Imame-Konferenz als "Schmusestunde"
Kritik gab es auch an der Anbindung der IGGIÖ an die "inländischen Machthaber und ausländische Interessenvertreter". Dadurch, dass die Regierung "einen einzigen Ansprechpartner (...), der Akzeptanz zu haben scheint", besitze und die IGGÖ auf der anderen Seite das "Wohlwollen" der Regierung genieße, sei beiden geholfen, meinte Rusznak. Die Integration der Muslime bleibe allerdings auf der Strecke. Viele würden sich nämlich in nationalen oder national-religiösen Vereinen abschotten. Von der am Freitag in Wien beginnenden Konferenz europäischer Imame und SeelsorgerInnen erwartet sich Rusznak eine "Schmusestunde".
Tausende Muslime in "Gettos"
Unterdessen ist für Rusznak bezüglich der Situation der Muslime in Österreich jedoch "Feuer am Dach". Er verwies auf eine überdurch-schnittlich hohe Arbeitslosigkeit unter österreichischen Muslimen - vor allem unter Jugendlichen. Tausende lebten in "Gettos" - ein Wort das Rusznak als "Parallelwelten" verstanden haben wollte. Der Islam friste als zweitstärkste Religion des Landes ein "Untergrunddasein". Dem IIDZ seien u. a. Informationen über Friedhofsschändungen, Anschläge auf Moscheen und Übergriffe gegen muslimische Frauen zugetragen worden, denen man nachgehen werde.