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Mi | 16.05.2012
Jüdischer Friedhof Wien-Währing - APA/Irene Zoehrer
Sanierung des jüdischen Friedhofs
Die Sanierung und Wiedereröffnung des jüdischen Friedhofs in Wien-Währing hat heute der Wiener Grün-Gemeinderat Marco Schreuder gefordert.
Einzigartiger kulturhistorischer Ort
"Der Friedhof verfällt zunehmend", kritisierte Schreuder bei einem Rundgang durch das sonst abgeschlossene Areal. Die denkmalgeschützte Anlage ist demnach neben dem St. Marxer Friedhof der einzig erhaltene Friedhof des Biedermeier in Wien. Der einzigartiger kulturhistorische Ort müsse daher dringend saniert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, forderte Schreuder. Aus kulturhistorischer Sicht wäre es wichtig, dass die Stadt Wien dabei die Initiative übernehme.
"Washingtoner
Abkommen"
Niemand fühle sich verantwortlich
Gemäß dem "Washingtoner Abkommen" aus dem Jahr 2001 verpflichte sich Österreich zusätzliche Unterstützung für Erhaltung und Restaurierung von jüdischen Friedhöfen zu leisten, meinte Schreuder. Dennoch sei das Gelände seit Jahren geschlossen und niemand fühle sich verantwortlich die Initiative oder die Finanzierung zu übernehmen.
Jüdischer Friedhof Wien-Währing - APA/Irene Zoehrer
Sanierungspläne da - Keine Finanzierung
"Es gibt fertige Sanierungspläne", so Schreuder. Sichergestellt werden müsse aber die Finanzierung. Bereits 2002 habe der Restitutionsbeauftrage der Stadt Wien, Kurt Scholz, die Sanierung des Friedhofs bis Ende 2003 angekündigt. Passiert sei dies allerdings nicht. Lediglich ein Baumschnitt sei vor zwei Jahren vom Stadtgartenamt finanziert worden, meinte Historikerin Tina Walzer. Wichtig wäre aber eine kontinuierliche Pflege.
Kosten
Die Kosten für eine Wiedereröffnung des 1784 errichteten Friedhofs werden von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) und Tina Walzer auf rund 262.000 Euro geschätzt. Die Kosten für eine Gesamtsanierung des über 20.000 Quadratmeter großen Areals schätzte die IKG im Jahr 2001 auf 13.874.997,10 Euro.
Viele Grabsteine umgestürzt
Viele der rund 7.000 erhaltenen Grabsteine seien bereits umgestürzt oder vom Umfallen bedroht, schilderte Walzer die Situation auf dem jüdischen Friedhof. Auch die Begehung werde durch den starken Bewuchs eingeschränkt. Notwendig wären daher entsprechen Sanierungs- und Sicherheitsmaßnahmen. Gepflegt werde der Friedhof derzeit gar nicht.
Abgeschlossene Tore
Abgeschlossen seien die Tore des Friedhofs aus Sicherheitsgründen, erklärte Walzer. Denn auf dem Areal gäbe es beispielsweise offene Gruften die ungefähr sechs Meter in die Tiefe führen würden. Abgesichert werden die Mauern des Friedhofs daher auch mit Stacheldraht.