In die Ostslowakei zur tschechischen Volksgruppe

Die Stadt, die in der Zeit des Humanismus unter der Regierung des Matthias Corvinus, des Königs von Ungarn, später auch von Böhmen und des Herzogs von Österreich, ihre Blüte erreichte und sich so zu den größten Städten Europas reihte, blüht auch weiterhin auf. Im Jahre 2013 wurde sie zur Kulturhauptstadt Europas und trägt auch den Titel der Marathonlauf-Stadt. Das ist Košice, die zweitgrößte Stadt der Slowakei.

On demand | Radio Dráťák Magazin | 2.4.2018

Košice

orf | pavla rašnerová

Der Elisabeth-Dom und der Urban-Turm in der Hauptstraße | Košice

Radio Dráťák Magazin
2.4.2018 | 21:10 | Radio Burgenland Livestream

Auf der Hauptstraße im Stadtkern findet man eine große Konzentration der Sehenswürdigkeiten, z. B. den größten slowakischen Dom, den Elisabeth-Dom, den Urban-Turm, die Michaelerkirche, den Musikbrunnen oder das Staatstheater. Gerade neben ihm befindet sich das Zentrum des tschechischen Lebens in der heutigen Zeit, in der Tschechen in der Slowakei eine offiziell anerkannte Volksgruppe sind. Seinen Sitz hat hier der Tschechische Verein in Košice, der viele gebürtige Tschechoslowak/innen einbezieht, aber auch die jüngeren, derer Herzen auch beiden Staaten gehören. Heute gehören in Košice etwa 5000 Tschechen zur Volksgruppe.

Cesky spolek v Kosicich Tschechischer Verein in Košice

orf | pavla rašnerová

V.l.n.r.: Dagmar Takácsová, Jiří Zaťovič, Miluše Babjáková, Jiřina Tóthová und Jiří Gregorek

Die Vorsitzende des Tschechischen Vereins in Košice, Dagmar Takácsová, die aus Náchod ist, kam in die Ostslowakei im Jahre 1970. 2013 erhielt sie den Preis „Gratias agit“ für die Verbreitung des guten Rufes der Tschechischen Republik im Ausland.

Dagmar Takácsová při přebírání Ceny Gratias Agit

mzv | robert janás

Dagmar Takácsová übernimmt den Preis „Gratias agit“ von Karl Schwarzenberg

Ausländer/innen im eigenen Land

Der Bürgerverein, der „Tschechische Verein in Košice“, die größte der tschechischen Volksgruppenorganisationen in der Slowakei, entstand nach der Trennung der Tschechoslowakei im Jahre 1993. Damals tauchten viele neue Probleme für die Tschechen, die in der Slowakei lebten, auf. „In der Trennungszeit wurden die zwischenstaatlichen Verträge nicht gut vorbereitet, was Sozial- und Krankenversicherung, Daueraufenthalt und ähnliche Sachen, also im allgemeinen bürgerliche Angelegenheiten betraf. Und dann war das selbsverständlich auch ein Kulturschock und überhaupt ein Bürgerschock, diese Trennung, nach der wir auf einmal ohne unsere Entscheidung ins Ausland gerieten und wir mussten damit irgendwie zurechtkommen“, erzählt Dagmar Takácsová über nicht leichten Anfänge in den ersten Jahren in der Slowakei, die Impuls zur Entstehung der ersten dortigen tschechischen Volksgruppenvereine waren.

Träger/innen der lebendigen tschechischen Kultur in Košice

Der Tschechische Verein in Košice funktioniert als ein selbstständiges Rechtssubjekt seit dem Jahr 2005. Heuer feiert er gleich mehrere Jubiläen – nicht nur die historischen, sondern auch eigene. Der Verein selbst wurde 25 Jahre alt und sein Frauenchor begeht 20 Jahre. Auch die Zeitschrift „Der silberne Wind“ der Kaschauer Tschechen näherte sich dieses Jahr einem runden Geburtstag – 10 Jahre. Mit seinem alljährlichen Festival „Die Tage der tschechischen Kultur“, dauernde mehr als ein Monat, voll von Konzerten, Ausstellungen, Literatur-Lesungen und Events für Kinder, sprechen nicht nur seine Volksgruppeangehörige, sondern auch die breite Öffentlichkeit an.

Im Osten der Slowakei sind sie die einzigen Träger_innen der lebendigen tschechischen Kultur gerade die Angehörigen des Vereins. Das Generalkonsulat und auch das Tschechische Zentrum wurden schon vor einigen Jahren aufgehoben. Die tschechische Kultur wird einerseits im Rahmen des Festivals eingeführt und andererseits verbreiten sie sie selbst – vor allem mittels der Konzerte des Frauenchors oder Veranstaltungen des Gesellschaftsklubs. Takácsová nach gelingt es ihnen und sieht einen Sinn darin auch anhand der zunehmenden Unverständlichkeit einiger Ausdrücke beider Sprachen von der Seite der jungen tschechischen und slowakischen Generation.

Kronika Českého spolku v Košicích

orf | pavla rašnerová

Die Chronik des Tschechischen Vereins in Košice / Die Arbeit des Chronisten Jiří Gregorek

Gemeinsame Aktivitäten der tschechischen Kaschauer

Die nächste Gästin unserer heutigen Radio-Sendung Dráťák ist Miluše Babjáková, eine aktive Angehörige des Vereins schon seit der Trennung der Republiken. Im Verein ist tätig in seinem Ausschuss. Die gebürtige Pragerin geriet nach Košice im Jahre 1959. Sie heiratete damals einen gebürtigen Kaschauer, einen ungarischen Kaschauer: „Ich mochte das immer sehr viel, vor allem in Košice. Gerade weil es hier viele Nationen gibt, ist frau/ man daraus nicht so traurig und fühlt sich nicht hier so viel wie ein_e Ausländer_in.“

Miluše Babjáková

Jiří Gregorek | Český spolek v Košicích

Miluše Babjáková leitet den Gesellschaftsklub, der sich auf die tschechische Kultur und Geschichte konzentriert und existiert seit der Gründung des Bürgervereins „Der Tschechische Verein in Košice“. Im Klub treffen sich Menschen jeden Donnerstag und unternehmen auch Ausflüge in die Umgebung. Der tschechischen Kaschauerin wird es in alltäglichen Situationen nur bestätigt, dass ihr Leben von beiden Kulturen und Sprachen beeinflusst ist: „Ich reise nach Prag an und die Menschen dort glauben, ob ich nicht zufällig aus der Slowakei bin und in Košice bemerken sie gleich, dass ich Tschechin bin.“

Cesky spolek v Kosicich Tschechischer Verein in Košices stribrny vitr

orf | pavla rašnerová

Die Zeitschrift des Tschechischen Vereins in Košice „Stříbrný vítr“ / „Der silberne Wind“

In Košice kann sich die tschechische Volksgruppe in die Zweimonatsschrift „Der Silberne Wind“ vertiefen, die nach der untergegangenen Zeitschrift „Česká beseda“ entstand. Mit der Idee für die neue Volksgruppenzeitschrift kam Jiří Zaťovič, der bis heute ihr Chefredakteur ist. Er ist im nordmährischen Šumperk geboren, aber seine Familienwurzeln reichen bis nach Kroatien. Nach Zaťovič ist für Kultur ihre Kunstwert wichtiger als ihre Herkunft: „Ich glaube, dass Kultur sich nicht nach Nationen teilen sollte, sondern danach, ob sie gut ist oder nicht. Und wenn sie gut ist, wenn sie einen Gedanken mit sich bringt, der Menschen anspricht, dann ist es völlig egal, in welcher Sprache sie ist.“

Eine attraktive multikulturelle Stadt

Auf dem slowakischen Gebiet würden wir heute 13 Volksgruppen finden. Košice war in der Vergangenheit immer bekannt als eine multikulturelle Stadt und in heutigen Zeiten ist es nicht anders. Der Verein veranstaltet jährlich 120 bis 150 Events und Bürger_innen der Stadt Košice schätzen jeden künstlerischen Besuch vom Ausland.

Wenn Sie heuer eine Reise in die Ostslowakei planen würden, besuchen Sie auch das Festival „Die Tage der tschechischen Kultur in Košice“, das jedes Jahr im Herbst veranstaltet wird. Auf der Webseite des Tschechischen Vereins www.cske.sk finden Sie viele interessante Informationen über das Leben der Tschechen nicht nur in Košice und vom Archiv können Sie in der Volksgruppenzeitschrift lesen.

Dem tschechischen Verein nach Košice wünschen wir viele gelungene Veranstaltungen und vor allem weiterhin ein reiches Vereinsleben!

Kronika Českého spolku v Košicích

orf | pavla rašnerová

Die Chronik des Tschechischen Vereins in Košice / Die Arbeit des Chronisten Jiří Gregorek

Die Gespräche mit den Angehörigen des Tschechischen Vereins in Košice hören Sie sich im Magazin Dráťák an. Durch die Sendung, die von Pavla Rašnerová gestaltet wurde, begleitet Sie Pavlína Woodhams.

Artikel auf Tschechisch | Na východní Slovensko za českou národnostní skupinou

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